Platz 3: Nur keinen Umzug
Autor: Nina Avci
Schülerzeitung: Martinushorn, Martinusschule in Bedburg
Miriam ist sauer! Sie wollte nicht in eine neue Stadt umziehen. Ihre Eltern hatten ein Haus näher an der Arbeit gefunden und wollten deshalb nach Bedburg ziehen. Nur Miriam ist immer noch nicht über den Umzug begeistert. „Ich will aber nicht weg!“ ruft Miriam. „Miriam, unser neues Haus ist wirklich schön!“ Mama versucht Miriam zu beruhigen. „Und Anna sehe ich auch nicht mehr!“ sagt Miriam. Papa erwidert: ,,Du kannst ihr doch schreiben oder sie anrufen.“Plötzlich ruft Mama: „Miriam, du musst jetzt zur Schule, sonst kommst du zu spät!“ – „Auch das noch“, mault Miriam. – „In der neuen Schule wird es dir sicher gefallen“, sagt Papa aufmunternd. „Du wirst neue Freunde finden.“ Mama stimmt ihm zu.
Also schnappt Miriam sich ihren blauen Delfin-Schulranzen und geht. Während sie durch den Garten des neuen Hauses geht, denkt sie: „Unseren alten Garten vermisse ich so sehr!“ Bei diesem Gedanken wird sie ganz traurig. Als sie ein gutes Stück gegangen ist, sieht sie die neue Schule. Sie ist außen ganz weiß. Der Schulhof ist übersät mit Kindern. Langsam geht sie über den Schulhof zum Rufstellplatz. Sie spürt die Blicke der Kinder, die ihr nachschauen und geht schneller. Miriam fühlt sich unbehaglich. Sie findet den Aufstellplatz ihrer neuen Klasse aber schnell.
Miriam beschließt, diese Schule doof zu finden. Dass das so ist, wird ihr noch klarer, als sie aus den Augenwinkeln zwei Jungen sieht, die ihr die Zunge rausstrecken und kichern. Doch sie hat keine Zeit, sich darüber zu ärgern, denn es klingelt. Alle Kinder laufen zum Aufstellplatz. Gleich darauf kommen die Lehrerinnen, um ihre Klasse abzuholen. Alle stehen zu zweit zusammen, nur Miriam steht allein. Sie bekommt Angst. Wie soll nur der Unterricht werden, wenn sich jetzt schon keiner um sie kümmert?
In der Klasse angekommen, setzen sich alle auf ihren Platz. Miriam bleibt an der Tür stehen. Sie weiß nicht so recht, was sie machen soll. Soll sie sich einfach irgendwo hinsetzen? Oder lieber abwarten, was die Lehrerin mit ihr vorhat. Da ertönt hinter ihr eine Stimme. „Guten Morgen Kinder!“ Miriam zuckt zusammen. Die Lehrerin! Die Kinder antworten: „Guten Morgen Frau Meister!“ – „Wir haben ein neues Kind!“, ruft ein Junge. Miriam erkennt ihn sofort. Er ist einer der Jungen, die gekichert haben. „Ich denke, dass sie allein sprechen kann, Tobias!“ – Zu Miriam sagt sie: „Wie heißt du?“ – „Ich heiße Miriam.“ „Ich bin Frau Meister. Willkommen in der 4a“, begrüßt Frau Meister sie. „Diese Frau Meister scheint nett zu sein“, denkt Miriam. „So, dann wollen wir doch endlich mit dem Unterricht beginnen“, meint Frau Meister. „Heute werden wir einiges für Miriam wiederholen.“ Miriam hört Seufzer und manche stöhnen.
„Du kannst dich neben Muriel setzen“, hört sie Frau Meister sagen. Sie zeigt auf einen freien Platz. Die Stunden gehen schnell vorbei. Es schellt. Miriam will rauslaufen, doch da fällt ihr ein, dass dies eine sehr große Schule ist und sie sich hier schnell verlaufen kann. „Ich laufe einfach hinter den anderen her“, denkt sie. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Diese Schule hat nämlich mehrere Ausgänge.
Doch ihre Angst löst sich schnell auf. „Du kennst dich bestimmt hier noch nicht aus“, fragte eine fremde Stimme. Miriam dreht sich um. Dann erkennt sie das Mädchen. Es ist Muriel, das Mädchen, neben dem sie gesessen hat. „Gehen wir zusammen raus?“ fragt Muriel. – „Gerne.“, antwortet Miriam. Sie ist froh, dass sie jemanden gefunden hat, der sie mag.
Als sie auf dem Schulhof sind, reden sie miteinander. Miriam erzählt über ihre Familie, über den Umzug und auch über sich. Muriel erzählt über sich ebenfalls. Miriam ist froh, in Muriel eine neue Freundin gefunden zu haben. Doch ihre Unterhaltung wird von zwei Jungen unterbrochen. Muriels wasserblaue Augen richten sich starr geradeaus an den Jungen vorbei. Miriam mag die wasserblauen Augen ihrer neuen Freundin. Sie selbst hat schlitzförmige grüne Augen. Sie beachtet die Jungen nicht. Diese wollen auch an ihnen vorbei. Doch als sie ungefähr nebeneinander sind, strecken die beiden blitzschnell den Mädchen die Zunge heraus. Die Jungen kichern. Muriel schaut die Jungen finster an. Innerlich kocht sie vor Wut. Man konnte nicht erkennen, was sie vorhat. Langsam geht sie auf die beiden zu. Die weichen immer weiter zurück. Plötzlich macht Muriel einen Satz nach vorn. Die Jungen schrecken zurück, und als Miriam sich noch neben Muriel stellt und ihre grünen Augen funkeln lässt, haben die beiden endgültig genug und machen sich aus dein Staub. Miriam und Muriel lachen.
Da gongt es und die Pause ist vorbei. Sie stellen sich zusammen auf. Die Jungen sind ihnen aus dem Weg gegangen. In der Klasse frage Frau Meister Miriam: „Wie war die Pause?“ – „Es war sehr schön!“ antwortet Miriam schnell und zwinkert Muriel zu. Die zwinkert zurück.
Die restlichen Stunden verlaufen reibungslos. Die beiden Mädchen haben leider nicht den gleichen Schulweg, aber morgen will Muriel sie abholen.Fröhlich summend geht Miriam nach Hause. Ihre Eltern erwarten sie schon.„Hallo!“ ruft Miriam schon von Weitem. Ihre Eltern begrüßen sie und ihre Mutter sagt: „Wir haben beschlossen, dass wir wieder zurück ins alte Haus ziehen, wenn du es unbedingt willst.“ „Nein, ich möchte hier bleiben“, summt Miriam und geht an ihnen vorbei ins Haus, um ihre Hausaufgaben zu machen. Anschließend fährt sie mit dem Fahrrad zu Muriel, um mit ihr zu spielen. Die Mutter schaut den Vater fragend an, doch der zuckt nur mit den Schultern.
Nina Avci
Bist du neu hier?
Wie in der Geschichte von Miriam, so geht es vielen Kindern. Die Eltern müssen umziehen, weil der Vater oder die Mutter eine neue Arbeitsstelle bekommen.
Manchmal passiert es auch, dass Eltern sich trennen und deshalb neue Wohnungen suchen.
Auf jeden Fall ist es ein blödes Gefühl, ganz neu in einer Schule anzufangen.
Da kann es passieren, dass man die Nächte vor dem ersten Schultag an der neuen Schule kaum schlafen kann. Und dann überlegt man:
- Finde ich neue Freundinnen oder Freunde?
- Sind die Lehrer nett?
- Komme ich mit den Klassenarbeiten klar?
- Hoffentlich werden meine Noten nicht schlechter?
Bestimmt fallen euch noch mehr Fragen ein.
In unserer Schülerzeitungs-AG haben wir überlegt, wie der Anfang für die neuen Kinder am besten klappen kann:
- Die Eltern sollten sich früh an der neuen Schule melden. Vielleicht kann man dann schon erfahren, in welche Klasse das Kind kommt.
- Nach Möglichkeit sollten sich Eltern und Kinder zusammen die neue Schule vor dem ersten Tag ansehen, denn dann kennt man sich schon etwas aus.
- Die neue Klassenlehrerin sollte die neue Schülerin/den neuen Schüler am ersten Tag begrüßen und in der Klasse vorstellen.
- Vor der ersten Pause sollte der Klassenlehrer Kinder fragen oder bestimmen, die sich in der Pause um den neuen Schüler kümmern und ihm alles zeigen.
- Man sollte sofort eine Klassenliste mit Telefonnummern und Adressen herausgeben.
- Die Kinder in der Klasse sollten den Neuen/die Neue zum Spielen einladen, vielleicht auch zur nächsten Geburtstagsfeier.
- Die Eltern des neuen Kindes sollten sich nach einer Woche in der Schule erkundigen, ob alles klappt.
Wir drücken jedenfalls allen neuen Kindern an unserer Schule die Daumen, dass sie schnell neue Freunde finden.
zurück »
Nina Avci (Foto: privat)


