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SchoolJamLyrics 2008 - Die Gewinner

Was lange währt, wird endlich gut: Nun stehen die Gewinner bei SchoolJamLyrics 2008 fest! Tausende von Songtexten habt ihr eingeschickt und so brauchte es einige Zeit, zunächst einmal die 100 besten Lyrics auszwählen.
Aus diesen hat die Jury dann die 6 Gewinner gekürt.
 
Die Jury bestand aus:
 
- Franky Ziegler von PANIK
- Johannes Strate von Revolverheld
- Torsten Zarges von Kressreport
- Alexa Coeln von Prisma
- Bettina Schwarz von respect
 
Freuen können sich jedoch nicht nur die 6 Gewinner, sondern alle, die unter die Top 100 gekommen sind. Denn deren Songtexte werden auch in diesem Jahr wieder in einem Buch veröffentlicht, das gegen Ende des Jahres erscheint.
Wenn es soweit ist, mehr an dieser Stelle.

1. Preis

Christoph Schönberner
"Wir sitzen am Steuer"

 
1. PART:
 
Ich stehe morgens auf und berühre den Tag,
ich denk mal wieder drüber nach wie es früher mal war,
mit Bäumen und Pflanzen und mit Schnee im Winter,
jetzt ist es nicht nur warm, nein, es ist wesentlich schlimmer!
Heute ist Januar, wir haben 40 Grad im Schatten,
im Winterschlussverkauf gibt es heute Gratisjacken,
die Schneemänner sind gestorben, deshalb bau ich ein Sandmann,
ich hab’s satt man, durch den Sand zu wandern!
wo früher Bäume warn ist heut nicht mal ein Busch,
wir müssen sonnenbaden, leider könn’ wir nicht einmal duschen
kein Wasser in der Leitung, langsam ist die Zeit um,
das Ende der Welt steht schon lange in der Zeitung!
Panikverbreitung, Realität,
ein Überlebenstest, den leider nicht jeder besteht,
wir können nicht ins Gras beißen, nur den Kopf in den Sand stecken,
Wüstenbildung, aus den grünen Wiesen wurden Brandflecken!
 
HOOK:
 
Wir sitzen im gleichen Boot, sogesehn alle am Steuer,
wir wissen was uns nun droht, kaum aufzuhaltendes Feuer!
Wir müssen handeln und den Handel in die eigene Hand nehm’
Doch wir können vor Blindheit nicht mal die eigene Hand sehn!
 
2. PART:
 
Unsre Welt leidet an Magersucht, Dürre überall,
es gibt keine Bäume… doch ich verirre mich Wald –
ich seh die Wüste… vor lauter Sand nicht, man ich
komm nicht mehr klar, ich seh das Meer vor lauter Strand nicht!
Nationalsport: Beachvolleyball,
ich halt die Welt in meiner Hand, ich bin wieder am Ball,
aus Jachten… wurden Wüstenschiffe,
die Leute sagen, dass der Mensch dafür büßen müsse!
Veganer haben heute schlechte Zeiten,
denn die Ernte auf den Feldern ist echt bescheiden,
es ist so heiß, dass der Mais schon als Popcorn wächst,
und man das Post-Reinholen als Sport einschätzt!
Naja, so langsam merke ich schon diesen Treibhauseffekt
und ich glaub wir ham das alles hier zu weit unterschätzt,
aber weiter im Text, unsre Zeit ist begrenzt
und wir schaffen das hier nur wenn jeder einzelne kämpft!
 
(Der Text handelt vom zunehmenden Klimawandel und soll Hörer durch Ironie und Sarkasmus zum Nachdenken bringen; der Text beschreibt die Welt wie sie ohne ein Gegenwirken in einigen Jahren aussehen könnte)

2. Preis

Dennis Lützow
"BODYPAINTING"

 
ich schreibe mir meine Gedanken auf meine Hände
doch ich komme einfach nicht zum Ende
so unglaublich viele Zeichen
dass meine Hände nicht reichen
ich schreibe weiter doch selbst meine Arme reichen nicht
darum stell ich mich vor den Spiegel und schreibe auf mein Gesicht
schon nach kurzer Zeit hängt der schreibende Stift auf meinem Bauch
und bald darauf beschreibe ich meine beiden Beine auch
bin schon an meinen Füßen angelangt, jeder einzelne Zeh
und vom Schreiben tun mir die beschrieben Finger weh
nach langer Zeit ist mein kompletter Körper beschrieben
doch noch so verdammt viele Gedanken sind mir geblieben
jeder Fleck meines Körpers ist beschriftet doch
so viele Dinge fehlen da aber eben noch
aufeinmal schau ich in den Spiegel und fasse es nicht
auf meinem Körper steht undendlich mal. „ICH LIEBE DICH“

3. Preis

Christian Promberger
Songext 1:
"3 Briefe"

 
Ey Prom, wie geht’s? mein guter alter Freund,
heut hab ich dich gesehen, ich dachte ich Träum,
du warst plötzlich weg und kamst nie mehr wieder,
und jetzt seh ich deine Lieder im Fernsehen auf Viva,
ich dachte die alte Diva sieh mal mein Junge ist berühmt,
und sagt was er zu sagen hat, ganz unverblümt,
und irgendwie bin ich stolz auf dich und auf mich,
du gehst sicher bald Gold, ich mein das glaub ich,
und nach jedem Auftritt, wirst du von Groupies verfolgt,
ich find das toll, ich gönn dir den Erfolg,
naja ich sitz hier fest, in unserer Heimat,
und ich und Erika wir denken jetzt an Heirat,
bloß ihr Vater, du kennst ja den Herrn Bader,
will das nicht, denn ich bin nach ihm ein Versager,
er will mich nicht als Schwager, mir ist das ja Wurst,
aber er ist Erikas alles seit ihrer Geburt,
sie ist mein alles, also hab ich nen guten Job gesucht,
ich war sogar in der Kirche und habe diesen Gott besucht
aber sie sagten alle ab erst die Bosse dann Gott,
und wenn es auf diese Weise weiter geht, dann geh ich bald bankrott,
es geht mir nicht darum, ich will nur Erika als Frau,
weil ich sie brauch und wenn nicht bald was geschieht dann ist es aus.
kannst du mir Geld hinterlegen. Ich brauch zehntausend Moneten,
Ich werds dir auch wieder geben, komm, der alten Zeiten wegen.
 
Ey Prom, wie geht’s mein guter alter Freund,
ich hab an dich geglaubt doch ich bin von dir enttäuscht.
Du hast meine Mail gelesen, ich hab sie dir neunmal geschickt,
Was los? Gibst du auf deinen alten Freund mal nen Fick?
Du bist kein Freund, du warst nie einer, du Schlange,
ich wusste es schon lange, Arschloch, danke.
Das bisschen Geld, was hätte das dir schon ausgemacht?
Oder denkst du ich hätte mir das alles nur so ausgedacht?
Du hast mich sicher ausgelacht, auf mich drauffgekackt,
und mit deinen neuen reichen Freunden einen drauffgemacht.
Ou man du Spasst, wie ich dich hass, du Kameraden schwein,
während du Geld machst tritt für mich der schwarze abend ein,
ich hab gewartet, Tage lang, kein Geld auf meinem Konto,
aber ich hab das Geld gebraucht, jetzt sofort, pronto.
Also nahm ich mein Schicksal in die Hand und machte einen Plan,
er war nicht gerade genial aber ich hatte keine Wahl,
ich hab mir Geld geholt, was heißt geholt, ich habs gestohlen,
und hab verkackt, auf der Flucht mit Bullen an den Sohlen,
ich wollte Erika noch holen und dann ab nach Polen,
aber ich kam nicht mal über die Treppe zu ihr nach oben,
ich hoffe das geht dir Drecksack unter die Haut
Verdammt ich wollte Erika doch nur als Frau,
und jetzt schau wo ich jetzt bin, ich bin im Bau,
schick mir jetzt bitte die zehn Riesen, dann komm ich wieder raus
 
Hallo Bene, ich hab von Anfang an deine Mails gelesen
Aber nicht zurückgeschrieben, sei mir bitte nicht böse deswegen.
Am Anfang hab ich mich gefreut von dir zu hören dann weniger
Du wolltest nur Geld und erinnerst mich an Erika, an Erika
sie war damals meine Freundin und du hast sie mir einfach ausgespannt,
deswegen bin ich doch für immer einfach abgebrannt, rausgerannt
aber ich dachte egal, Bene braucht Hilfe, sei ein Mann,
ich war schon daran mit dem Scheck für die Bank in der Hand,
doch dann, halt ich an, ich weiß nicht warum doch ich greif zum Hörer,
wähl Erikas Nummer, sie hebt ab, ich sag Entschuldigung für die Störung.
Ich fragte wie es Bene geht ein Piepton sie hat aufgelegt.
Ich wähl nochmal es klingelt sie schreit in den Hörer ganz aufgeregt!
Bene hat mich misshandelt, Bene hat mich geschlagen,
vergewaltigt, bespuckt, und dass jeden abend,
sie sagte alles ohne zu atmen, in einem rauhen Ton,
sie hat dich angezeigt und du brauchst zehntausend Kaution
Meine Knie werden weich, meine Haut kreidebleich,
gerade eben hätte ich fast noch den Scheck eingereicht,
fast hätt ich dir geholfen, ich flieg fast in Ohnmacht,
und dann kommt deine letzte Mail in mein Postfach,
ich les Zeile für Zeile während ich die Luft anhalt,
Junge du brauchst Hilfe du musst in die Anstalt,
ich kenn dich anders, du warst früher ehrlich,
und jetzt ein Verbrecher, für die Umwelt gefährlich,
bitte Junge versprich mir, dass du dich besserst,
und wenn du Hilfe brauchst, du kennst meine Adresse!

4. Preis

Mona Grimmel
"... und wo warst du?"

 
Meine Tränen schmecken nicht mehr salzig
Vielleicht hab ich den Verstand verloren
Herzen sind so zerbrechlich
Für die Ewigkeit gefroren
 
Der Schmerz schmeckt nicht mehr bitter
Und Kälte ist nicht mehr kühl
Ich hab aufgehört zu zittern
Hab ich auch aufgehört zu fühlen?
 
Und du siehst mich fragend an
Als ob ich dir die Antwort sagen kann
 
Die Zeit heilt keine Wunden
Sie sieht nur schweigend zu
Doch sie war da in all den Stunden
... und wo warst du?
 
Sie streut kein Salz in all die Wunden
Sie streut nur Zeit dazu
Und sie war da in all den Stunden
Sie war da und wo warst du?
 
Deine Wärme ist keine Geborgenheit mehr
Deine Liebe kein Gefühl
Distanz wird zur Gewohnheit
Und Beziehung zum Kalkül
 
Und ich frag dich wo du gewesen bist
Doch du hörst mir gar nicht zu
Du stehst nur da und lächelst müde
„Mit der Zeit wird alles gut“
 
Und ich seh dich fragend an
Weil ich diese Last nicht tragen kann
 
Denn Zeit heilt keine Wunden
Sie sieht nur schweigend zu
Doch sie war da in all den Stunden
... und wo warst du?
 
Sie streut kein Salz in all die Wunden
Fügt keine Schmerzen zu
Und sie war da in all den Stunden
Sie war da und wo warst du?

5. Preis

Vera Malzew
Sabina Delic
"Dieser Junge"

 
Strophe 1:
 
Der Junge aus Beton, Stahl, Stein und Schmerz
Der Junge auf den ich stehe hat kein Herz
Sein Leben hat ihn hart gemacht
Der Tod er wird ihn retten
Das einzige was ich tun kann
ist über ihn zu rappen
 
Seine Seele sagt ihm
Sprengstoff wartet auf dich
es wartet auf dich
bis du innerlich zerbrichst
 
bis du endlich was fühlst
bis du weißt dass du gelebt hast
bis du was spürst
wird es schon zu spät sein
 
Sein Blick ist leer
so leer wie seine Seele
und sein Herz ist kalt
kälter als die 7 Meere
Und er hat es sein ganzes Leben vorgespielt sein Strahlen
Er durfte sich nichts leisten
konnte nie krank erscheinen
Er füllte sich von Gott verlassen
doch er konnte sich nur auf Gott verlassen
Ihm war immer schon egal was die Menschen sagen
Er musste überleben
Wie konnten sie es wagen ???
 
Refrain:
 
Der Junge aus Beton, Stahl, Stein und Schmerz
Der Junge auf den ich stehe hat kein Herz
Sein Leben hat ihn hart gemacht
Der Tod er wird ihn retten
Das einzige was ich tun kann
ist über ihn zu rappen
Er hat sich versprochen niemanden zu lieben
den mit Liebe kann man niemanden besiegen
Doch er hatte sie und konnte sie nicht hassen
und deswegen wird er mich verlassen.
 
Strophe 2:
 
Es war eine schwere Zeit für ihn er wurde aus der Heimat gerissen
Sein Traum nach Glück wurde zerrissen
Seine Eltern haben ihm schon früh klargemacht
Es ist sein Leben, sein Pech, sein Glück, sein Kampf
Die Kinder von heute dürfen entscheiden welche Schuhe man trägt
Er durfte nicht einmal entscheiden ob er in die Schule geht
Ihm war klar gemacht dass er kein Geld erben wird
Und das ist mit der Grund wieso er heute sterben wird
 
Er ist allein, sieht aus dem Fenster, sieht den Regen,
er weiß gleich wird er der einzigen Wahrheit begegnen
Er erinnert sich an die Liebe und sein Glück
Doch jetzt besteht sein Leben nur aus Trauer, Hass und Wut
 
Glücklich zu sein hat er sich nach einer Zeit selbst verboten
Er lebt einfach nicht nach den 10 Geboten
Er würde gerne alle in Tod reißen
das hat er sich geschworen
den um ihn sind Menschen
durch die hat er alles verloren
 
Refrain:
 
Der Junge aus Beton, Stahl, Stein und Schmerz
Der Junge auf den ich stehe hat kein Herz
Sein Leben hat ihn hart gemacht
Der Tod er wird ihn retten
Das einzige was ich tun kann
ist über ihn zu rappen
Er hat sich versprochen niemanden zu lieben
den mit Liebe kann man niemanden besiegen
Doch er hatte sie und konnte sie nicht hassen
und deswegen wird er mich verlassen.

6. Preis

Maria Hilbert
"Du"

 
Wie deine Augen einen Punkt fixieren,
wenn du dich konzentrierst.
wie dein Mund sich leise öffnet,
wenn dich etwas fasziniert.
Wie du gen Himmel schaust,
wenn du nach Worten ringst.
Und deinen Kopf schief legst,
wenn du singst.
 
Wie du mit den Händen sprichst,
wenn du etwas erklärst.
Wie du sie in die Hüften stemmst,
wenn du dich beschwerst.
Wie du auf die Füße springst,
wenn du dich wirklich freust.
Und wie du deine Lippen schürzt,
wenn du etwas bereust.
 
Alles an dir, so liebenswert.
So traumversunken unbeschwert.
 
Wie du die Nase rümpfst,
wenn dich etwas stört.
Wie du in deinen Bann ziehst,
wer immer dir zuhört.
Wie du mit den Fingern trommelst,
wenn du aufgeregt bist.
Und die Schultern hängen lässt,
wenn du müde wirst.
 
Alles an dir, so liebenswert.
So traumversunken unbeschwert.

Statement Jurymitglied Franky Ziegler

Auch dieses Jahr hat SchoolJamLyrics gezeigt, was die jungen Leute in Deutschland bewegt. Krieg, Umweltverschmutzung, Liebe, Hass, Mobbing und die eigene Zukunft. Beim Lesen wurde mir oft warm ums Herz, aber leider noch öfter flau im Magen. Die Texte spiegeln Alltagssorgen und Lebensgeschichten der Autoren wider. Es zeigt, wie wichtig die Musik und das Schreiben von Texten als Ventil und Ausgleich für uns sind, und ich hoffe, dass es noch lange so bleibt.

Franky Ziegler, Sänger von PANIK. Foto: Dominic Bünning

Franky Ziegler, Sänger von PANIK

Statement Jurymitglied Johannes Strate

Ich freue mich sehr darüber, wie gewitzt und sprachgewandt die ganzen Einsendungen waren. Wenn das unsere zukünftigen Texter in Deutschland sind, brauchen wir uns keinerlei Sorgen machen. Trotzdem ist es wirklich hart zu sehen, wie düster und traurig die meisten Texte sind. Für mich zeigt sich hier sehr gut, wie ehrlich, reif und selbstreflektiert die Jugendlichen mit ihrer Welt umgehen, auch wenn es weh tut. Das verdient den allergrößten Respekt, und ich spreche allen Einsendungen ein großes Kompliment aus! So konnte ich mich auch nach langem Hin und Her nicht festlegen, sondern musste es bei 13 Favoriten bewenden lassen.

Johannes Strate, Sänger von Revolverheld. Foto: David Zilk

Johannes Strate, Sänger von Revolverheld


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