Pubertät - der längste Vollmond des Lebens
Uuuuaaaah, was geht denn jetzt ab: Plötzlich verändert sich dein Körper, Haare wuchern, Brüste wachsen, die Stimme wird tiefer - kein Grund zum Heulen! Du bist kein Werwolf, sagen Christine Henning und Ralph Caspers und erklären all die Veränderungen, die in der Pubertät für haarige Zeiten sorgen. Nichts ist ihnen peinlich. Jetzt haben die beiden Moderatoren passend zu ihrer "Du bist kein Werwolf"-Sendung ein Aufklärungsbuch geschrieben. respect.de traf die beiden in Köln und wollte wissen, ob sie wirklich über alles sprechen: Über Penisangst, mieses Schlussmachen und das erste Mal.
respect.de: Hi Christine, hallo Ralph, Ihr habt jetzt passend zu Eurer Aufklärungssendung noch ein Buch herausgebracht. Sind Jugendliche heute in Sachen Sex nicht aufgeklärt?
Christine: Ich finde nicht, dass sie unglaublich aufgeklärt sind. Sie wissen längst nicht, wie sie eine Beziehung anfangen, und wie sie respektvoll Sexualität miteinander erleben. Es ist auch kein reines Aufklärungsbuch. Es beinhaltet alles, was in der Pubertät so mit einem geschieht, ein Ratgeber, eine kleine Hilfestellung.
Ralph: Hihi, Du hast Stellung gesagt! Passt ja gut in diesem Zusammenhang…
Christine: Es geht in der Pubertät ja nicht nur um Sex, sondern auch darum, dass sich der Körper verändert und wie man damit zurechtkommt. Manchmal ist es nicht nur körperlich, sondern auch psychisch schwierig, mit all den Veränderungen klar zu kommen.
Ralph: Mit seinen Eltern darüber zu sprechen, ist ja eher unangenehm. Deshalb ist es gut, dass wir uns all diesen Themen und Fragen widmen.
Habt ihr mit Euren Eltern über Sex gesprochen?
Ralph: Bei uns war Sex etwas ganz Normales über das man natürlich auch sprechen konnte.
Christine: Ich konnte auch über alles mit ihnen sprechen und sie fragen, wenn ich zum Beispiel Angst vor dem ersten Mal gehabt hätte, was ich nicht hatte! Meine Eltern waren da ganz entspannt und das hat natürlich viel dazu beigetragen, dass wir ein cooles Vertrauensverhältnis hatten.
Warum nerven einen Eltern in der Pubertät dann so?
Christine: Man ist ja der festen Überzeugung, dass man schon alles weiß, vor allem besser, und man nicht jeden Kram erklärt bekommen muss.
Heute ist Euch nichts peinlich und Ihr beantwortet alle Fragen zum Thema Erwachsenwerden. Was hättet Ihr früher gerne gefragt?
Christine: Ich hatte irgendwie Angst vor dem männlichen Geschlechtsorgan! Wie sollte ich mir den steif vorstellen, in der Hose? Wie kann denn so ein Ding da hart werden? Meine Brüste werden ja auch nicht steif…
Ralph: Nein, aber sie schwellen doch auch an und werden bei Erregung größer.
Christine: Ja, aber nicht so knallhart wie eine Erektion, das kann sich doch kein Mädchen vorstellen.
Was fällt Euch denn spontan zu den folgenden Stichwörtern ein:
Selbstbefriedigung
Ralph: Entspannt.
Christine: Ja!
Knutschen
Ralph: Feucht!
Christine: …
Ralph: Man, da musst du nicht lange überlegen. Sag’ doch einfach Ralph.
Christine: Ich musste gerade an mein erstes Knutschen denken, da hat mir einer seine Zunge in den Hals gesteckt, das fand ich sooo e-kel-haft. Ich habe echt nicht kapiert, was daran so toll sein soll. Mittlerweile weiß ich es.
Liebeskummer
Ralph: Weltschmerz
Christine: Schlimmster Schmerz, aber sollte man einmal in seinem Leben gehabt haben, damit man versteht, warum Leute davon sogar völlig verrückt werden können. Wer schon mal Liebeskummer hatte, weiß auch die Liebe zu schätzen.
Tanzschule
Ralph: Weiße Schuhe!
Christine: Kein Tanzpartner und das zwei Tage vor diesem Ball, da ist mal kurz meine Welt zusammengebrochen. Meine Freundin ist mit meinem Tanzpartner zusammen gekommen und da war klar, dass die beiden natürlich miteinander zum Abschlussball gehen. Ich musste mir dann einen erschnorren. Der konnte richtig super tanzen und hat mir sogar Blumen mitgebracht.
Romantik
Ralph: Überschätzt! Nein, Quatsch. Ganz, ganz, wichtig.
Christine: Blumen! Der schnellste Weg zum Herzen einer Frau…
Das erste Mal
Christine: T-O-L-L! Hat alles geklappt, war alles dran!
Ralph: Echt? Ging daneben bei mir. Aber es war okay - wir haben herzhaft darüber gelacht.
Glattrasiert oder haarig?
Ralph: Egal.
Christine: Jetzt würde ich ja echt gerne wissen, woran Du gedacht hast?
Ralph: Wieso? (Pause) Ach, so.
Christine: Also ich habe an eine Männerbrust gedacht, aber ich glaube, du nicht!?
Ralph: Wäre ja auch komisch, wenn ich an eine Männerbrust denken würde. Ich habe an Rücken gedacht.
Wie waren Eure wilden, haarigen Zeiten?
Ralph: Die kommen noch…
Christine: *prust*
Ralph: Ich habe in der Maske beim WDR kleine Döschen entdeckt, die aussehen wie Gewürzdosen und da sind lauter Mini-Härchen drin, die statisch aufgeladen sind und sich aufstellen, wenn man sie sich auf die Kopfhaut streut. Dann siehst du aus, als hättest du eine Millionen Haare, obwohl es nur noch ein paar sind … Wenn es bei mir soweit ist, werde ich es auf jeden Fall auch benutzen.
Christine: Aber du hast doch, soweit ich sehen kann … (guckt dabei auf seinen Kopf) … da oben noch alles dran.
Ralph: Nicht da! Woanders …
Wie ward Ihr als Jugendliche?
Ralph: Extrem unauffällig. Ich war so unauffällig, dass ich mich in der Schule melden konnte und nie dran genommen wurde. Die Lehrer haben mich tatsächlich einfach nicht gesehen. Auch auf Partys konnte ich im Gespräch etwas sagen oder es auch bleiben lassen - es war immer so, als wäre ich gar nicht da!
Christine: Echt? Aber du bist doch solch ein Klugscheißer!
Ralph: Das kam erst nach der Schule. Und Du warst bestimmt ein Feger!?
Christine: Das haben wirklich viele über mich gedacht, dabei habe ich immer schön brav Hausaufgaben gemacht. Nach außen habe ich anders gewirkt, als ich in Wirklichkeit war.
Musstest Ihr auch zu einer bestimmten Zeit zu Hause sein?
Christine: Aaaah, diese Uhrzeit-Regel fand ich furchtbar. Denn wenn ich nach Hause musste, kamen gerade erst die älteren Jungs auf die Party. Ich hätte mich zwar nie getraut, einen von ihnen anzusprechen, aber wenigstens angucken.
Also, doch die ein oder andere Party! Hast Du Dich an die Uhrzeit-Regel gehalten?
Christine: Ja, bis auf einmal. Da bin ich von der Party nach Hause, habe mich schlafend gestellt und bin heimlich noch mal ausgebüxt. Zurück zur Party, die war um die Ecke und ich auch schon zwei Stunden später wieder im Bett. Also, gar nichts Wildes, aber Ärger gab es dafür trotzdem hinterher - so etwas kommt ja leider doch immer raus …
Hat es sich denn gelohnt?
Christine: Total, denn ich habe mit den älteren Jungs gesprochen und mein größter Schwarm war da! Es! War! Soooo! Cool! Echt. Daran kann ich mich noch so gut erinnern.
Habt ihr einer bestimmten Clique angehört?
Christine: Nein, da hatte ich keinen Bock drauf. Ich wollte nie zu einer bestimmten Gruppe gehören. Aber das hat mir sogar Ärger eingebracht.
Inwiefern?
Christine:Bei uns in der Klasse gab es unterschiedliche Gruppen - die reichen Kinder, die Ausländer, die Kreativen aus der Theater-AG und die eher links orientiert waren. Ich bin in jeder Pause herumgelaufen, einmal an jeder Gruppe vorbei. Ich dachte, es wäre okay, wenn ich mit allen gut kann. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass keiner wusste, zu wem ich gehöre - die Yuppie-Kinder habe nicht verstanden, warum ich auch mit den Theaterleuten rumhing. Und die fanden es komisch, wenn ich abends dann zu den Poloshirt-Trägern gegangen bin. Das hat am Ende dann nicht funktioniert und ich habe mit ein paar Leuten gebrochen …
Ralph: Weil Du zu viel Alkohol getrunken hast?
Christine: Quatsch, so was habe ich natürlich nie gemacht. Nein, im Sinne von Abbrechen, weil ich keine Lust hatte, mich für oder gegen jemanden zu entscheiden …
Bei Euch in der Sendung gibt es Jugendliche, die im Selbstversuch Dinge ausprobieren, die sie vorher noch nicht gemacht haben, wie der Omi etwas am Computer beizubringen …
Ralph: Bei uns in der Sendung können Jugendliche Sachen machen, die ihnen sonst für völlig abwegig erscheinen, einfach um ein Gefühl für andere Situationen zu bekommen.
Christine: Die machen das freiwillig.
Ralph: Harrr, haaar, glaubst du … Nee, im Ernst: Es gibt viele Jugendliche, die gerne mal so einen Selbstversuch starten. In der Pubertät verändert sich nicht nur der Körper, sondern auch die persönliche Einstellung zu vielen Dingen. Dann fragt man sich: Wo stehe ich eigentlich? Und vor allem wie stehe ich zu machen Dingen? Die Selbstversuche geben einem die Möglichkeit, was Neues auszuprobieren, worauf man vielleicht selbst nie gekommen wäre.
Wie alt sind die Werwolf-Zuschauer?
Christine: Zwischen 10 und 16 Jahre.
Ralph: Ich habe vor kurzem eine 10. oder 11. Klasse getroffen, die eigentlich nicht mehr zu unserer Zielgruppe gehören. Aber sie kannten alle unseren Spot "Wie verberge ich eine ungewollte Erektion?" und wollten ein Foto wie bei Tipp 3 "Verstecken mit Hilfsmitteln" - also Hände in die Tasche, so wirkt es, als sei die Faust die Ursache für die Ausbuchtung. Nur die Lehrerin guckte etwas irritiert.
Christine: Wir werden jetzt also immer mit einer Erektion assoziiert!?
Ralph: Ungewollt - wie die Erektion!
Gibt es ein Erlebnis aus der Pubertät, das Ihr am liebsten löschen würdet?
Ralph: Nein, so eins gibt es nicht! Okay, doch, aber das gehört dazu, das wollte ich nicht löschen.
Christine: Mir hat mal ein Junge einen Maibaum gestellt, der schon öfter versucht hat, bei mir zu landen, aber keine Chance hatte, weil er kleiner war als ich. Das wollte ich auf der Mai-Party ein für alle Male klarstellen, vor allen Leuten, wo es alle mitkriegen. So gemein. Dafür würde ich mich heute gerne entschuldigen - Martin, falls du das liest, es tut mir leid.
Seid Ihr auch mal mies abgeblitzt?
Christine: Das habe ich verdrängt!
Ralph: Man erlebt gute Sachen und schlechte Sachen und jeder hat die Wahl, woran er sich erinnern will. Es gibt Leute, die denken an die schlechten Sachen und sind total unglücklich, und es gibt die anderen, die sich nur an das Schöne erinnern wollen und die meiste Zeit glücklich sind - dazu gehöre ich. Pubertät ist cool, weil man da viele Sachen zum ersten Mal in seinem Leben macht. Und ich glaube, dass man an seine ersten Male die schönsten Erinnerungen hat - darum ist Pubertät eine tolle Zeit!
Christine: Ich glaube, dass man niemals mehr im Leben solche Gefühle hat wie in der Pubertät. Das war alles so unglaublich aufregend. Wie lange es allein gedauert hat, bis man überhaupt mal mit seinem Schwarm gesprochen hat, wie viele Blicke dafür nötig waren …
Ralph: Und wie lange einem zwei Wochen vorkamen, wenn man mit jemanden zusammen war. Da hat man schon mal gedacht: Boah, jetzt reicht’s aber mal.
Christine: Ich war einmal so unglaublich verliebt, da haben wir vier Stunden lang die Verabschiedung herausgezögert und uns den Mund fusselig geredet, nur weil sich keiner von uns beiden getraut hat, dem anderen einen Kuss zu geben - auf die Wange! Und ich kann mich noch gut an diese Qual erinnern, wenn man nicht weiß, ob der Schwarm einen mag oder vielleicht doch nicht, weil man ihn mit einer anderen gesehen hat. Währenddessen fühlt es sich nicht immer gut an, aber jetzt, im Nachhinein, ist es ganz großartig.
Was war das Tollste, das Ihr in Eurer Pubertät erlebt habt?
Ralph: Alles, was mit Sex zu tun hat!
Christine: Die ersten Annäherungsversuche, Bluestanzen …
Ralph: Ich fand es super, dass man in der Pubertät alles kann, was man will und einfach macht, weil die Mechanismen fehlen, die einem sagen, dass man das lieber bleiben lassen sollte. Man ist so unbekümmert. Ich war es zumindest.
Christine: Ich auch. Ich fühlte mich stark, wusste ja alles, außer alles Rund ums Thema Sex, da weiß man ja im Grunde doch nicht wirklich was da abgeht. Deshalb auch unser Aufklärungsbuch.
respect.de verlost vier Bücher "Du bist kein Werwolf - eine Gebrauchsanteilung für die Pubertät", von Ralph und Christine persönlich signiert. Einfach eine Mail mit dem Stichwort: "Echt haarig" an redaktion@respect.de schicken. Einsendeschluss ist der 31. Januar. respect.de wünscht euch viel Glück!
In dem Buch geht es um alles, was in dieser blöden Pubertät passiert. Man ist wie ein Werwolf bei Vollmond: Der Körper verändert sich, es wachsen Haare an den unmöglichsten Stellen und man bekommt eine unbändige Lust auf Fleisch. Niemand bereitet einen so richtig auf diese Veränderung vor und da treten Christine und Ralph auf den Plan. Sie schlendern erhobenen Hauptes durch Gegenden, die andere nur mit hochrotem Kopf betreten. Ihnen ist nichts peinlich.
Rowohlt Verlag, 11,99 Euro, ISBN: 978-3-499-62634-0
Text: Anja Schimanke
Foto: WDR/Kalupke, Cover: Rowohlt Verlag


