Interview mit Tobias Kramer
Tobias Kramer: Tänzer, DJ und Tanzlehrer. Er unterrichtet vor allem Hip-Hop, Breakdance und Gebärdensprache – denn Tobias Kramer ist gehörlos. Er kann Musik nicht hören, er fühlt die Musik über den Bass. Wir haben den durch das „Supertalent“ bekannt gewordenen Künstler interviewt und ihn gefragt, was Musik für ihn bedeutet.
Wann haben Sie mit dem Tanzen angefangen?
Ich tanze seit meinem 6. Lebensjahr, also seit mittlerweile 23 Jahren. In meiner Familie hat Musik keine besondere Rolle gespielt, dennoch habe ich über meine Mutter zur Musik gefunden, da sie Musik gerne mag.
Wie sind Sie zum Tanzen gekommen?
Damals fragte mich ein hörender Freund, ob ich nicht Lust hätte, mit in die Breakdance-Disco zu gehen. Ich war sehr aufgeregt und hatte natürlich Lust mitzugehen. Wir gingen also hin und ich sah zum ersten Mal all diese bunten Lampen um mich herum flackern. Ich fühlte mich aber auf Anhieb wohl. Wir sollten dann einen Kreis bilden, in dem einige Typen wie wild zu tanzen anfingen. Ich war sofort hin und weg, schloss mich der Gruppe an und begann mit dem Training. Ich hatte Talent und lernte schnell.
Wer hat Sie damals inspiriert?
Michael Jackson. Ich war 7 Jahre und er wurde zu meinem Vorbild, denn seine Musik hat sehr deutliche Bassschläge. Mit meinen Händen an den Boxen konnte ich so zum ersten Mal richtig Musik spüren und verstehen. Und natürlich war Michael Jackson auch ein hervorragender Tänzer. Durch ihn habe ich meine Leidenschaft entwickelt.
Warum haben Sie sich gerade Breakdance und Hip-Hop gewidmet?
Weil es einfach cool ist. Damals mochte meine Mutter Rock-Musik und ich fand es komisch, dass die meisten Männer so lange Haare hatten. Diese Musikrichtung hat mir nicht gefallen und im nächsten Augenblick sah und hörte ich zum ersten Mal „I Got 5 On It - Luniz“ im Fernsehen. Mit einem Hörgerät konnte ich einige Geräusche wahrnehmen. So habe ich die neue Musikrichtung Hip-Hop und Breakdance für mich entdeckt.
Welche Herausforderungen stellen sich explizit für Sie, aufgrund Ihrer Gehörlosigkeit?
Da ich schon von Geburt an gehörlos bin, ist es für mich normal weniger zu hören. Natürlich ist es schwieriger, beim Tanzen nur den Bass zu spüren, aber auch daran habe ich mich gewöhnt und kann damit sehr gut umgehen. Es sind keine wirklichen Herausforderungen, da ich ja alltäglich damit lebe.
Wie hat Ihr Umfeld auf Sie und Ihren Wunsch zu tanzen reagiert?
Ich wollte als Tänzer oder Tanzlehrer arbeiten. Meine Mutter stand immer hinter mir und hat gesagt, ich soll mir den Beruf aussuchen, der mir Spaß macht und den ich auch wirklich ausüben möchte. Meine Freunde waren da schon kritischer und haben mir damals geraten, eine Ausbildung zu machen und normal arbeiten zu gehen, aber auch sie stehen mittlerweile hinter meiner Entscheidung. Als Gehörloser ist es schwer gewesen, einen guten Job in Deutschland zu finden, die Angebote waren sehr begrenzt, also musste ich klein anfangen.
Woher holen Sie Ihre Inspiration heute?
Ich lasse mich von vielen großen Stars inspirieren, wie zum Beispiel David Guetta oder bekannten Tänzern. Darüber hinaus versuche ich natürlich selber, andere Leute zu inspirieren und ihnen beizubringen, dass Gehörlosigkeit für das Spüren von Rhythmus kein Handicap ist. Viele Gehörlose nehmen mich als Vorbild und das sehe ich als großes Lob an.
Ihr Traum ist es, eine Tanzschule für Gehörlose zu eröffnen. Wie genau stellen Sie sich diese vor?
Die Tanzschule soll nicht nur für Gehörlose sein. Ich möchte Gehörlose und Hörende zusammen bringen. Natürlich steht ein Gebärdenkurs in vorderster Reihe, damit beide Parteien kommunizieren können. Es wäre eine integrative Tanzschule, die es in Deutschland bis jetzt so noch nicht gibt.
Weitere Informationen:
Ihr wollt mehr über den gehörlosen Tänzer, DJ und Tanzlehrer Tobias Kramer erfahren?
Fündig werdet ihr auf seiner Website: www.tobias-kramer.com
Ein Kurzportrait des Supertalents könnt ihr euch auf Youtube ansehen:
Kurzportrait Tobias Kramer
Tobias Kramer tanzt seit seinem 6. Lebensjahr, also seit mittlerweile 23 Jahren. Er unterrichtet vor allem Hip-Hop, Breakdance und Gebärdensprache.
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