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In sein ist out! Beim Styling ist Individualität gefragt – ohne Markenklamotten ...

Was heißt hier Stil?
Die Stars machen es vor: sie erfinden ihren eigenen Stil – und den immer wieder neu. Nichts ist langweiliger als ein Styling, das älter ist als ein Jahr, scheint das Motto zu sein. Der Cowboyhut mit Strass-Steinen mutiert zum modischen Must Have, um nach einiger Zeit genau so plötzlich wieder von Bild- und Tanzflächen zu verschwinden. Genauso Henna-Hände, zentnerschwere Goldketten oder 70er Jahre Föhnwelle. Seit kurzem tauchen überall kleine Amy-Klone auf, mit unübersehbarem Lidstrich und einer Haarlack gestählten Bienenkorbfrisur. Das Original wird zur Fälschung, manchmal sogar ein peinliches Style-Plagiat, was nur ein mitleidiges Lächeln beim Betrachter hervorruft. Oder noch schlimmer: ein müdes Gähnen!

Am Ende verkommt der tollste Stil zum langweiligen Mainstream
Der, der etwas auf sich hält, hat mittlerweile sein eigenes Klamotten-Label – und eine Modekollektion am Start. Angeblich alles selbst entworfen und designt, schwören die Stars hoch und heilig. Zurzeit gibt es rund 100 Stars & Sternchen mit eigenem Label. Jay-Z zum Beispiel. Er hat mit seinem Label „Rocawear“ 800 Millionen Dollar Jahresumsatz in 2007 gemacht – neben der Musik versteht sich. Immerhin 525 Millionen Dollar hat P. Diddy mit seiner Kollektion verdient, „nur“ 100000 dagegen Stil-Ikone Gwen Stefani mit L.A.M.B. Sienna Miller, Ashlee Simpson, Justin Timberlake, die Olson-Twins, Wyclef Jean, Hillary Duff, Anastacia – alles Modedesigner ihres eigenen Stils. Amy Winehouse bekommt eine eigene Kosmetik-Linie, die – na, was wohl? – genau vom Haarspray bis zum Kajal alles bietet. Und während die Fans fleißig kaufen und kopieren (fast 400 Euro gehen durchschnittlich jedes Jahr an Mode drauf, fand eine Studie unter Jugendlichen heraus, fürs Hobby nur 79 Euro!), haben sich die Stars schon längst ein neues Styling zugelegt – unverwechselbar … mega-cool … so – STOPP – du musst nicht erst zu einem Mega-Star avancieren, um deinen eigenen Stil zu entwickeln!

Früh übt sich, wer ein Star werden will!
Montagmorgen, 8 Uhr. Auf dem Schulhof der Rochester Adams High School in Metro Detroit geht’s zu wie auf einem Festival kurz bevor der Hauptact loslegt. Laut, chaotisch und extrem lebendig. Es wird gequetscht, geschoben, gequatscht und gelacht. „Ey, guckt euch die an!“ brüllt Kevin plötzlich über den ganzen Schulhof als Madonna Luise auftaucht – an den Beinen eine zerfetzte Strumpfhose, darüber einen selbstkreierten Rock. „Cooles Outfit, Ciccone. Wo haste denn das her – aus dem Altkleidersack?“ lästert Kevin. Alles lacht. Ein paar rümpfen die Nase. Pff, was für Weichbirnen, denkt Madonna, hebt ihre Nase ein Stückchen höher, strafft die Schultern und stolziert an den anderen vorbei. Sie hat sich längst an die Reaktion gewöhnt – und provoziert weiter. Mit Vorliebe. Was noch keiner ahnt: In ein paar Jahren werden überall auf der Welt Mädchen Madonna anhimmeln, nicht trotz, sondern wegen ihres auffälligen Stylings und sie sehr, sehr berühmt machen …

Littleborough, eine Kleinstadt in England, Ende der 1990er Jahre. Im Radio trällert Celine DionMy Heart will go on“. Laura Hollins steht in Doc Martens, Kleid und Hosenträgern in der Imbissbude. Auf dem Kopf ein Herrenhut. Und raspelkurze platinblonde Haare. Mit Fish’n’Chips verdient sich Laura ihr Taschengeld und kauft sich davon auf Trödelmärkten ihren wilden Kleidermix. Der ist nicht angesagt, aber verdammt originell. Bis heute. Denn ihrem Style ist Laura, die sich mittlerweile Agyness Deyn nennt und als Supermodel und die neue Stil-Ikone gefeiert wird, treu geblieben. „Meine Outfitwahl funktioniert morgens immer nach dem Mix-and-Match-Prinzip – ich ziehe das an, was gerade sauber in meinem Schrank hängt. Manchmal zerreiße ich auch Outfits und mache was ganz Neues draus!“ Hauptsache anders, überraschend, ungewöhnlich. Als ihr eine Modelagentur sagte, sie solle sich doch bitte, schön die Haare lang wachsen lassen, antwortete Agyness stilvollendet: „Ich bin nicht konventionell!“ Und ging …

Individualität statt Massenstyle
Wow, das ist echt cool. Wir bewundern Menschen wie Madonna, Marilyn Manson und Agyness für ihren Mut, ihr Charisma, ihr Selbstbewusstsein, das um so viel größer als unserer eigenes zu sein scheint. Selbstbewusstsein kriegt man nicht geschenkt, das erarbeitet man sich. Manchmal ganz leicht, manchmal recht mühselig. Die Freaks von früher, scheinen die Trendsetter von morgen zu sein. Oder sind sie es nicht schon in der Schule und wir haben es nur noch nicht bemerkt? Vielleicht sogar verhindert, indem wir über die Andersartigkeit lachen und über das merkwürdige Styling lästern? Aber wenn wir ganz ehrlich sind und ganz tief in uns reinhören, denkt man über diese extravaganten Menschen doch eigentlich: „Eine verdammt coole Sau!“ Eine echte Persönlichkeit eben mit Ausstrahlung und Geschmack, wenn eben auch nicht derselbe wie der eigene. Ob schick, brav oder punkig, bieder oder lässig, verspielt, gelackt, gepunktet, gestreift, schwarz oder weiß, mit Rüschen, Nieten oder XXL – in ist, was gefällt und zwar dir! An Carhartt-Hose, Stussy-Shirt und Hoodie von Zoo York erkennt man den Skater, klar, aber nicht den persönlichen Stil. Paris Hilton ist von Kopf bis Fuß – mit Ausnahme der Unterwäsche (hihihi) – in Designerfummel gehüllt. Teuer ja, aber auch originell oder gar stilvoll? Trendsetter gehen nicht mit der Mode, sie sind ihr immer einen Schritt voraus! Und nicht die Marken entscheiden über cool und uncool, sondern das Outfit – welch passender Name … Yves Saint Laurent, kürzlich verstorbenes Modegenie, brachte es auf den Punkt: „Man sollte sich nicht zu sehr an Moden hängen, zu sehr an sie glauben. Man sollte jede Mode mit Humor nehmen und genügend an sie glauben, um den Eindruck zu erwecken, sie zu leben, aber niemals zu sehr – und sich so die Freiheit bewahren.“

Interview mit Bruce Darnell

Bruce Darnell (51) – ein Name wie Schokolade, die in der Sonne schmilzt. Mindestens genauso süß gab der Laufsteg-Beau sein Wissen über Styling bei „Germany’s next Top-Model“ und „Bruce“ weiter. Im Interview mit respect sprach er offen über limonengrüne Schlaghosen, Stil und No Gos. Zum Dahinschmelzen …

Hallo Bruce,
du bist mit Plateauschuhen und einer limonengrünen Schlaghose in die Schule gegangen. Deine Mitschüler haben sich darüber totgelacht. Was hast du damals gemacht?

Ich habe immer zu dem gestanden, was ich getragen habe. Mich hat es nicht interessiert, was die anderen gesagt haben. Ich fand meinen Look cool.

Und wie findest du so eine Reaktion auf ein individuelles Styling?

Ich glaube, dass ist Unsicherheit. Man stellt sich vielleicht die Frage, ist das jetzt in was der oder die da trägt, oder total daneben.

Wie reagiere ich am besten, wenn andere über mein Styling lachen oder mich deswegen hänseln?

Man sollte einfach dazu stehen und sagen, sorry, aber das ist mein Look und den finde ich ganz okay.

Kann jeder ein ungewöhnliches Outfit tragen oder braucht man dafür bestimmte Eigenschaften wie Mut oder Selbstbewusstsein?

Mit Mut hat das nichts zu tun. Man braucht nur genügend Selbstbewusstsein, und das verleiht einem doch automatisch eine gewisse Ausstrahlung.

Welche Rolle spielt Geld beim Styling?

Geschmack ist keine Sache des Geldes. Man kann sich auch Sachen auf dem Flohmarkt kaufen, es ist nur eine Frage der Phantasie, wie ich alles miteinander kombiniere. Natürlich ist es schön, wenn man sich ein Designerstück leisten kann, aber das mit günstigen Sachen kombiniert, macht das Ganze erst spannend.

Was rätst du jedem, der sich in Sachen Mode von der Masse abheben will?

Mach Dir klar, wer Du bist und finde dann den Stil, der zu Dir passt. Jeder ist sein eigenes Kunstwerk. Man muss vieles einfach ausprobieren - der persönliche Look entwickelt sich dann schon. Das geht auch nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit.

Gibt es bei der Wahl meines Stylings ein No Go?

Ein No Go ist ein ungepflegtes Erscheinungsbild – ungewaschene Haare und schmutzige Kleidung zum Beispiel.
Auch in Jeans und T-Shirt kann man stylish aussehen.

Wann ist ein Styling ein gutes Styling?

Ein gutes Styling beginnt schon bei der Frisur. Gepflegte Haare, ein leichtes Make Up, farbig aufeinander abgestimmte Accessoires. Auch das ist Styling.
Jungs tragen oft dieselben Turnschuhe, den gleichen Gürtel. Dabei gibt es ein so großes Angebot – da können sie ruhig mutiger sein und experimentieren.

Du hast mal gesagt, dass man Stil nicht lernen kann – entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Woran merke ich, dass ich keinen Stil habe?

Wenn ich beim Einkauf unschlüssig bin, was mir steht. Jemand der Stil hat, greift immer zu den richtigen Sachen. Jemand ohne Stil liegt oft daneben.

Und dann?

Brauche ich einen Stylingberater oder etwas mehr Zeit zum Ausprobieren.

Danke für das Interview und deine ehrlichen Antworten!

Bruce

Mein Styling, die Schule & ich

Stars erzählen, wie das bei ihnen in der Schule mit dem Styling war …

Madonna, Königin des Pop und der Trends: „In der Schule war ich weder Hippie noch eine Kifferin, also war ich irgendwann die Spinnerin. Da habe ich mich entschieden, meine Andersartigkeit als Vorteil zu nutzen. Meine Beine habe ich nicht mehr rasiert, meine Achselhaare wucherten. Ich weigerte mich, Make-Up zu tragen oder in das Klischee eines hübschen Mädchens zu passen.“

Justin Timberlake, Sänger mit eigenem ModelabelWilliam Rast Ayala“: „Das Witzige ist, dass die Dinge, über die sich Mitschüler lustig machen, später im Leben Schönheit und Einzigartigkeit ausmachen.“

Bill Kaulitz, Sänger von Tokio Hotel: „In der Schule wollten mir einige nicht ‚Guten Tag’ sagen, weil ich meine Haare hoch hatte und meine Fingernägel schwarz lackiert waren. Einer wollte mich nicht unterrichten, weil ich so aussehe, wie ich aussehe. Da kamen Sprüche wie ‚Der Kopf ist nicht nur für schicke Haare da’. Ich war total selbstbewusst. Ich bin ja so in die Schule gegangen, weil ich genau wusste, dass jeder guckt und die Lehrer darüber reden. Ich habe das immer genossen. Ich wollte ja auffallen mit meinem Styling. Die Leute sollten über mich reden.“

Enie van de Meiklokjes, Moderatorin und Fashion-Queen:
 
„Ich finde meinen eigenen Stil, indem ich das anziehe, was mir gefällt und was mir steht. Man ist selbstbewusst, wenn man einfach das trägt, worin mach sich wohl fühlt, denn nicht jeder Person steht jeder Trend. Dementsprechend reagieren die Menschen auch auf einen.“
 
 
Foto: Enie van de Meiklokjes: Daniel Biskup

Enie van de Meiklokjes

Anastacia, Sängerin mit „A“-Kollektion für s.Oliver:

„Früher war ich gar nicht an Mode interessiert. Meine Mutter kaufte mir die Sachen. Ich war ein aufgewecktes Mädchen, aber Selbstdarstellung war nicht meine Sache. Denn ich war klein und schüchtern und hatte keine blauen Augen. Daher wollte ich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Ich wollte nicht sexy sein. Ich war das Gegenteil eines fashion victim!“

Pimp deinen Style!

In vier Schritten zum neuen Ich – unverwechselbar, selbstbewusst und sehr authentisch!

 
1. Schritt
Vergleiche dich nicht mit anderen!
 
Schon gar nicht mit Stars und Models – das deprimiert bloß und hilft dir kein bisschen weiter. Wusstest du schon, dass Audrey Hepburn starke Minderwertigkeitskomplexe hatte? Ehrlich, sie fand ihre Füße zu groß, ihren Body viel zu dünn und hasste ihren schiefen Schneidezahn. Trotzdem wird sie noch heute als eine der schönsten Frauen der Welt verehrt! Beruhigend, oder?!

 
2. Schritt
Akzeptiere dich!
 
Es ist normal, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat, Schönes und weniger Schönes, eine Schokoladenseite und eine – ähm – lassen wir das. Je schneller du deine Schwachstellen akzeptierst und anfängst sie zu lieben, desto besser. Denn gerade sie machen dich doch zu etwas Besonderem!

 
3. Schritt
Betone deine Stärken!
 
Du hast deine starken, einzigartigen, besonderen Seiten akzeptiert und ganz doll lieb? Okay, dann musst du sie nur noch betonen! Ohne Hilfe der Eltern! Sie lieben an dir den Kommunionsanzug und nicht die Baggy-Jeans, wollen süße Zöpfe sehen und keine bunten Strähnchen … ihre Meinung zählt also nicht. Entweder du schnappst dir eine Freundin/ einen Freund, die/ der ehrlich zu dir ist oder eine Kamera (damit fotografierst du deine Stylings!) und probierst einfach alles aus … Besorge und leihe dir dazu auch ein paar Sachen von anderen oder geh’ in Läden, um noch mehr Kombinationen ausprobieren zu können. Sei mutig und experimentiere nach Herzenslust, teste und probiere auch Sachen, die du sonst niemals anziehen würdest oder in deinem Kleiderschrank hängen – lass dich überraschen. Wann magst du dich besonders? Welcher Stil passt zu dir? Und welches Styling war echt geil?

 
4. Schritt
Trau dich – zeig dich!
 
Gratulation: Du hast den Hammer-Style für dich gefunden! Noch etwas ungewohnt, aber echt super! Jetzt musst du dein neues Styling nur noch präsentieren. *schluck* Und das wird ganz schön aufregend … Alle werden gucken – auf dich! Dein Styling! Die gucken nicht alle, weil du völlig *beap-beap* aussiehst, sondern so anders. Sie sind neugierig, neidisch, überrascht, schockiert, wie auch immer. Und es wird bestimmt auch kommentiert, vielleicht auch nicht immer nett, vielleicht sogar richtig ätzend. Egal. Dein Mantra heißt: „Ich bin nicht konventionell!“ Und das ist gut so.
  

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