Wie finde ich meinen Traumjob?
Text von Julia Jaroschewski
Was soll bloß aus mir werden?
„Du bist bei den Operationen nie der Beste, aber immer der Fröhlichste“, soll der Chef des amtierenden Bundesgesundheitsministers gesagt haben. „Ich war als Arzt nicht so gut“, kommentiert Philipp Rösler seine Medizinerkarriere. Anstatt zu operieren, werkelt er jetzt an Gesetzen herum. Die Wandlung vom Arzt zum Politiker ist gar nicht so abwegig. Ein Wechsel vom Klavierlehrer zum Kfz-Mechaniker dagegen gestaltet sich schon etwas schwieriger. Die Entscheidung für oder gegen einen Beruf ist nicht leicht und sollte gut überlegt sein.
Schulische Grundlagen
Schon in der Schule wird damit begonnen, Bewerbungsabläufe zu trainieren. Multimediale Hilfsmittel wie Podcasts erklären Kriterien einer erfolgreichen Bewerbung für einen Ausbildungsplatz. Es existieren zahlreiche Bücher, die die Bewerbungssituation oder, eine Stufe weiter, das Bestehen in einem Assessment-Center thematisieren. Doch bevor ein Bewerbungsgespräch überhaupt zustande kommt, muss ein potentieller Bewerber die Hürden der Interessenfindung und der daraus resultierenden Berufswahl erklimmen. Das ist leichter gesagt als getan.
Eigeninitiative gefordert
Das Schulsystem unterstützt die Suche nach den eigenen Schwächen und Stärken nur bedingt, da es größtenteils darauf ausgelegt ist, eine breite Allgemeinbildung zu vermitteln, jedoch keine expliziten Spezialisierungen zu fördern. Oftmals sind die Klassen zu groß und die Schüler zu unterschiedlich, als dass sich Lehrer um eine individuelle Förderung der einzelnen Schüler kümmern können. Gerade deshalb ist Eigeninitiative gefordert. Der Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums eröffnet eine neue Phase im Leben, welche die Grundlage für die nächsten Jahre darstellt. Umso wichtiger ist es, sich genau zu informieren, welche Möglichkeiten existieren, und gleichzeitig seine eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erwartungen zu hinterfragen.
Wozu Orientierung
Es gibt Menschen, die wussten schon mit zehn Jahren, dass sie einmal Feuerwehrmann, Ärztin oder Polizist werden wollen. Für die anderen, und das sind die meisten, ist der Berufswunsch zum Ende der Schulzeit weniger klar. Das Herausfinden der eigenen Interessen und Fähigkeiten ist jedoch elementar für den (erfolgreichen) Einstieg ins Berufsleben. Nur wer selbst weiß, was er möchte und vor allem kann, hat tatsächlich Chancen, sich in seinem Beruf zu behaupten, sich weiterzuentwickeln und bei eventuellen Krisen nicht sofort das Handtuch zu werfen.
Wie orientieren – Methoden der Berufsfindung
Zunächst ist es hilfreich, sich selbst einige Fragen zu stellen: Wer bin ich? Was kann ich? Was möchte ich? Und: Was ist realisierbar? Vier scheinbar einfache Fragen. Doch ihre Beantwortung ist spontan gar nicht so leicht. Warum es so wichtig ist, zu wissen, wer man ist: Nur wer seine eigenen Fähigkeiten einschätzen kann, ist in der Lage, diese einem möglichen Arbeitgeber darzulegen. Wer weiß, was er kann, wirkt bei einer Bewerbung authentischer und hat auf Aufforderungen wie „Nennen Sie fünf positive Eigenschaften, die auf Sie zutreffen“ oder „Was bemängeln ihre Freunde an Ihnen“ eine passende Antwort. Was sich zunächst nach Fangfragen aus der Personalabteilung anhört, sind einfache Methoden, die Selbstreflexion des Bewerbers zu testen. Besser ist es, die eigenen Schwächen und Stärken zu erkennen, bevor es der Personaler tut.
Dazu kann eine Liste mit Eigenschaften, Adjektiven erstellt werden, die auf einen selbst zutreffen. Zusätzlich können Familie und Freunde gefragt werden: Was funktioniert gut und was liegt einem nicht so? Der Vergleich der eigenen Stichpunkte mit den Aussagen der Anderen zeigt, ob die eigene Beurteilung mit der Sicht des Umfelds korrespondiert. Falls zwischen der eigenen Einschätzung und der Wahrnehmung der anderen Differenzen bestehen, sollten diese gemeinsam besprochen werden, und vielleicht können erste Hinweise festgehalten werden: Jemand, der eher introvertiert ist, fühlt sich als Buchautor oder Wissenschaftler vielleicht wohler als in der Funktion als Pressesprecher, der ständig in der Öffentlichkeit steht. Eine Quasselstrippe, die gern ohne Ende redet, ist in einer Radiostation möglicherweise gut aufgehoben, während ein Tüftler ein exzellenter Kfz-Mechaniker sein kann.
Fähigkeit plus Interessen
Die Kunst der Berufsfindung ist die Kombination aus Fähigkeiten, Neigungen und Wünschen. Den perfekten Job gibt es wahrscheinlich nicht, deshalb müssen Kompromisse eingegangen werden. Doch zunächst stellt sich die Frage: Was kann ich überhaupt? Die Antwort baut meist auf den eigenen Erfahrungen auf: Welche Dinge haben schon immer Spaß gemacht? Waren naturwissenschaftliche Fächer interessanter als literarische Werke? Oder war das Herumexperimentieren mit Farben aufregender als mathematische Formeln? Für einige Berufsrichtungen ist die Note des Schulabschlusses natürlich wichtig. Doch Fähigkeiten und Interessen liegen nicht ausschließlich im schulischen Leistungsbereich. Jemand, der neben der Schule auf dem Reiterhof oder mit Tieren Spaß hatte, kann einen verantwortlichen Beruf im zoologischen oder landwirtschaftlichen Bereich anstreben. Vereinssportler haben vielleicht Freude am Leiten einer eigenen Jugendgruppe.
Wem es nicht so leicht fällt, seine Fähigkeiten zu artikulieren, sollte sich ein wenig Zeit nehmen, und sich an die letzten persönlichen Erfolge erinnern. Auch hier können Freunde und Familie helfen. Erfolge sind beispielsweise die Organisation einer Musikfreizeit, das Engagement in einem Verein oder das Erreichen einer guten Note. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Motivation und die Art der erreichten Ergebnisse. Die kleinen Erfolge und damit verbundenen Fähigkeiten sind nicht immer offensichtlich und einem oftmals nicht bewusst. Doch zeugt die Unterstützung eines Sportfestes beispielsweise von Organisationsfähigkeit und Spaß an der Arbeit mit Menschen.
Wohin orientieren
Zu dem „Wer bin ich und was kann ich“ gesellt sich das „Was möchte ich“. Fähigkeiten müssen also mit den entsprechenden Interessenfeldern verknüpft werden. „Irgendetwas mit Medien“ oder „als Arzthelferin arbeiten“ sind ganz klassische Aussagen. Sie sind jedoch sehr diffus, zu weit gefasst. In den Medien gibt es zahlreiche Berufsmöglichkeiten. Auch ein Arzthelfer hat die Qual der Facharztwahl. Und wieder: Es gilt auf die eigenen Fähigkeiten in den jeweiligen Interessenfeldern zu achten. Ein Musikfreak kann als Tontechniker in einem Medienunternehmen eine erfüllende Berufung finden. Und wer sich das Taschengeld mit Babysitten aufgebessert hat, ist bei einem Kinderarzt eventuell gut aufgehoben.
Natürlich zählen auch andere Kriterien wie Verdienst, Aufstiegsmöglichkeiten oder Ort des Arbeitsplatzes zu einer Entscheidung für oder gegen die Wahl eines Berufes. Wer auf einen Job mit dickem Bankkonto schielt, muss allerdings erst einmal Arbeit leisten. Auch der jahrelange Verbleib in einem Unternehmen oder gar das Vererben von Berufen beispielsweise bei einem Autobauer über Generationen hinweg ist heutzutage eher selten geworden. Die moderne Arbeitswelt verlangt eine gewisse Flexibilität, was zumindest den Ausbildungs- oder späteren Arbeitsort anbelangt.
Worauf achten – Gesundheit und Spaß
Auch gesundheitliche oder körperliche Einschränkungen müssen bei der Jobwahl berücksichtigt werden. Mit einem wenig belastbaren Rücken ist eine Tätigkeit als Möbelpacker oder Kameramann nicht vereinbar. Asthmatiker dagegen werden es als Spitzensportler auch nicht besonders leicht haben.
Nichtsdestotrotz: Ein entscheidendes Merkmal für die Berufswahl ist die Motivation und der Spaß dabei. Motivation und Interessen stellen entscheidende Faktoren für die Weiterentwicklung im Job dar. Jemand, der sich durch das Jurastudium quält, um bessere Berufschancen oder Ansehen zu erringen, ist möglicherweise weniger erfolgreich als der Gärtner, der mit Leib und Seele seinen Beruf ausübt und dadurch Vertrauen in sich und bei seinen Kunden stärkt.
Wann beginnen
Während der Schulzeit besuchen Mitarbeiter der Arbeitsagenturen oftmals einzelne Klassen und versuchen erste berufliche Perspektiven zu erläutern. Mehr Zeit für ausführliche Informationsrecherche über einzelne Berufsfelder bieten die Berufsinformationszentren (BIZ). Dort werden Informationen zu den Einzelberufen bereitgestellt und allgemeine Berufsfindungstests angeboten, die selbstständig am Computer durchgeführt werden. Im Internet hat die Arbeitsagentur für Arbeit das Portal BERUFEnet geschaffen, dessen Datenbank Beschreibungen, persönliche Anforderungen und Berufsaussichten für circa 3.100 Berufe erläutert. Unter berufe.tv/Ba finden Lesemuffel diverse Filme zu unterschiedlichen Berufsbranchen.
Sofern die Möglichkeit besteht, sollten schon während der Schulzeit sogenannte Praxistage besucht oder ein Praktikum abgelegt werden. Dies ist sinnvoll, weil bei Praxistagen zumeist Experten einzelner Berufszweige anwesend sind und nach ihren Erfahrungen befragt werden können. Ein Praktikant dagegen kann während des Praktikums selbst in einen möglichen Beruf hineinschnuppern. Auch nach dem Schulabschluss sind solche Praktika hilfreich, um das anvisierte Arbeitsfeld kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen oder Sozialen Jahres können Erfahrungen in umweltbewussten oder sozialen Einrichtungen gesammelt und dieses Berufsfeld getestet werden. Auch Mentoring-Programme versprechen Unterstützung: Berufstätige Erwachsene, so genannte Mentoren, betreuen jeweils einen Schüler oder eine Schülerin und helfen bei der beruflichen Orientierung – sie haben die Herausforderung der Berufsfindung schließlich selbst schon durchgestanden. In wirtschaftlich schlechten Zeiten gestaltet sich die Ausbildungsplatzsuche noch schwieriger. Daher ist es umso wichtiger, seine eigenen Fähigkeiten zu prüfen und diese dann entsprechend zu „bewerben“.
Links:
Aubi-Plus : Ausbildungsplätze nach Berufsfeldern
http://www.aubi-plus.de/berufsbilder/ »
Berufliche Bildungswege Broschüre (der Stadt Hamburg) unter anderem mit Tipps für Jugendliche mit Behinderungen
http://www.hamburg.de/contentblob/64432/data/bbs-br-berufliche-bildungswege-12-07.pdf »
Die Komplizen: Mentoring für Schüler, Berufsfrühberatung
http://www.die-komplizen.org/index.php?n=100 »
Girls Day: Webseite zum Aktionstag für Mädchen, der in die Arbeitswelt in Technik, Handwerk, Ingenieur- und Naturwissenschaften einführt sowie Mentoring für Mädchen: Mentoring.-Programme speziell für Mädchengruppen
http://www.girls-day.de/Zielgruppen/Maedchen/Zukunft_Beruf/Mentoring_fuer_Maedchen »
Handwerksberufe: Interaktive Plattform mit Übersicht der Handwerksberufe mit Orientierungshilfen, Adressen, Informationsblättern
http://www.handwerksberufe.de/ »
Jetzt geht´s los: Broschüre der deutschen Versicherer für Schulabgänger mit Pros und Contras zur Entscheidung für Ausbildung oder Studium
http://www.klipp-und-klar.de/dateien/dokumente/lebensphasen/zkk_schulabgaenger.pdf »
Ökolandbau: Berufe im Agrarsektor
http://www.oekolandbau.de/lehrer/berufs-und-fachschulen-agrarwirtschaft/ »
Planet-Beruf: die Ausbildungsplattform der Bundesagentur für arbeit mit Tipps zur Orientierung, Suche und Ausbildungsplatzbörse
http://www.planet-beruf.de/Jetzt-starten.12.0.html »
Studienwahl: Übersicht aller Studiengänge in Deutschland, Hinweise zu Hochschulen, Studium, Studieren im Ausland
http://www.studienwahl.de/ »
Literatur:
Bolles, Richard Nelson (2004): Durchstarten zum Traumjob. Das Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger. 7. Auflage. Campus. Frankfurt am Main/New York, 24,90 Euro ISBN: 3593369796
Ebner, Peter H./ Fritz, Sabine (2008): Portfoliomappe Berufsfindung - Arbeitsmaterialien zur Selbsteinschätzung, Verlag an der Ruhr, 21,50 Euro, ISBN: 3834604097
Glaubitz, Uta. (2003): Der Job, der zu mir passt. Das eigene Berufsziel entdecken und erreichen. Campus. Frankfurt am Main/New York, 17,90 Euro, ISBN: 3593372193
Hesse, Jürgen/Schrader, Hans Christian (2007): Praxismappe Berufsfindung, Eichborn-Verlag, 14,95 Euro. ISBN: 3821859415
Bilder: pixelio
Arbeitsamt Logo: MatthiasBalzer / PIXELIO
Arzt Ultraschall: ChristophDroste / PIXELIO
Ausbildung: derateru / PIXELIO
Blutabnahme, Geige Musiker, Handwerk/Hammer, Puzzle: alle Rainer Sturm / PIXELIO
Orientierung, Schultafel: S. Hofschlaeger / PIXELIO


