Digitale Weltverbesserung
Gepostet von Sonja am 26.09.2012
Soziales Crowdsourcing: Daten können die Welt bewegen, Transparenz und Veränderung schaffen – vor allem, wenn viele zusammenarbeiten. Zwei Beispiele.

Text & Foto: Sonja Peteranderl
„Früher warfen Aktivisten Molotov-Cocktails und prügelten sich mit der Polizei – heute können wir das System von zu Hause aus hacken“, sagt der 28-jährige Lucky Gunasekara, der bei San Francisco lebt. Für ihn ist das Internet ein Medium, um die Probleme der Menschheit anzugehen.
Wie würden Institutionen wie die Weltbank arbeiten, wenn sie im Jahr 2012 gegründet worden wären und nicht vor der Verbreitung des Internets, fragte er sich. Mit einem Webprojekt möchte Lucky Gunasekara jetzt Entwicklungshilfe revolutionieren, mit vielen Daten sollen Spenden und die Durchführung und Kontrolle von Projekten transparenter gestaltet werden, demokratisch und offener.
Black Box Entwicklungshilfe
„Die großen Entwicklungshilfeinstitutionen sitzen auf dem Geld, sie geben es aus, aber wissen eigentlich nicht, was damit passiert“, kritisiert Lucky Gunasekara. Oft wüssten nicht einmal die Menschen, denen geholfen werden soll, was die NGOs vor ihrer Haustür eigentlich tun, es sei schwer nachzuvollziehen, wieso soziale Projekte erfolgreich sind oder eben nicht. „Es ist wie eine Black Box“, sagt Lucky Gunasekara.
Was er sich vorstellt: einen Entwicklungshilfe-Fonds, der durch viele kleine Mikrospenden aufrecht erhalten wird, Spender entscheiden selbst, welche Projekte sie fördern wollen, sie erhalten laufend detaillierte Berichte über den Fortgang „ihres“ Projekts, wenn sie nicht zufrieden sind, können sie ihr Geld zu einem anderen Projekt verschieben.
Daten für mehr Transparenz
Menschen in Entwicklungsländern können sich im Netz informieren, was in ihrer Nähe passiert und sich einen Plan herunterladen, welche Projekte es gibt. Sie sollen auch digital auf Bedürfnisse aufmerksam machen, etwa Lehrermangel, für die sich dann NGOs finden lassen, die kooperativ Lösungen entwickeln. Die Organisationen dokumentieren transparent ihr Projekt – damit auch andere NGOs von ihnen lernen, Projekte adaptieren können.
Und die Angaben der NGOs werden mit anderen Datenbeständen verglichen – etwa mit Gehaltstabellen aus der jeweiligen Region. Damit ihre Arbeit kontrollierbarer wird. Im Herbst soll das Projekt von Lucky Gunasekara starten (vulcanlabs.org) – die Weltbank hat schon Interesse gezeigt und Gunasekara einen Job angeboten.
GoogleMap für Rollstuhlfahrer
Das 2010 von Raul Krauthausen initiierte Projekt Wheelmap (wheelmap.org) trägt dazu bei, dass die Welt für Rollstuhlfahrer ein bisschen transparenter wird. Wo versperren Treppen den Weg? Gibt es eine behindertengerechte Toilette?
Menschen mit und ohne Behinderung tragen ihre Erfahrungen mit Orten und Institutionen wie Cafés, Theatern, Behörden auf die Open-Source-Karte ein – ein Ampelsystem kennzeichnet, ob die Orte rollstuhlgerecht sind oder nicht, so dass Ruhlstuhlfahrer besser planen können. Fast 620.000 Orte wurden bereits markiert, die Karte wurde in verschiedene Sprachen übertragen. In Berlin ist die Karte schon gut befüllt, vor Olympia hatten die Macher sich London vorgenommen – weil die Übersichtskarte noch „zu grau“ aussah.
Wünschenswert wäre, dass noch mehr Menschen detaillierte Bemerkungen zu den einzelnen Orten eintragen – und sich die Empörung direkt in Aktion umsetzen ließe: durch einen Tweet, eine Sammel-E-Mail an die betroffene Behörde, das Restaurant oder die Universität, eine Petition oder indem besonders krasse Fälle monatlich in einer Top Ten vorgestellt werden, die vielleicht das Image des jeweiligen Ortes ankratzt und zu Verbesserung führt.
Linktipps:
Wheelmap – Rollstuhlgerechte Orte. Interview mit Raúl Krauthausen »
An der Berichterstattung leidend. Blogbeitrag von Raúl Krauthausen »
Spenden und Crowdfunding. Blogbeitrag von Domingos de Oliveira »
Neueste Kommentare
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LuPe
am 15.05.13, 20:01 Uhr
zu: „Ständig in beiden Sprachen leben“
Hallo Lutz,
ich hoffe, Sie erinnern sich noch an mich. RWB-Essen. Grüßen Sie bitte Ihre Mutter...
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zu: „Ständig in beiden Sprachen leben“
Ich finde es gut was er macht. Ich arbeite in Bremen und bin eine Gehörlose Schulsekretärin
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zu: „Ständig in beiden Sprachen leben“
Hallo Boris,
naja, ich muss zugeben, beim zweiten Mal (also vorletzter Umzug) ist es mir auch...
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zu: Einmal kaltes Wasser zum Reinspringen, bitte!
Schön, dass du angekommen bist und gleich so viele Bekannte kennengelernt hast. Ich habe es immer...
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Boris Schneider (Gast)
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zu: Einmal kaltes Wasser zum Reinspringen, bitte!
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