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„Meine Musik ist ganz großes Kino!“

Gepostet von gast am 12.07.2012

Kolja Brand will nach Hollywood – nicht als Schauspieler, sondern als Komponist für Filmmusik! Damit macht er Gefühle in der Musik hörbar …

 
Text: Anja Schimanke; Foto: Mirko Stödter
 
Der erste Film, den er im Kino gesehen hat? Daran kann sich Kolja Brand echt nicht mehr erinnern. Zu viele Filme hat der 19-Jährige seitdem gesehen, und „Herr der Ringe“ bis zum Abwinken. Jeden Tag nach der Schule hat er sich den ersten Teil reingezogen. Wieder und wieder. Und dann wurde der Soundtrack zu seinem ständigen Begleiter, der ihm nicht mehr aus dem Kopf ging – er hat ihn gesummt, gepfiffen und als Ohrwurm überall mit hingenommen.

Irgendwann setze er sich an sein Keyboard und versuchte, die Melodien nachzuspielen. Einfach so nach Gehör. Das war für den Anfang ganz okay, aber es sollte noch schöner, besser, echter klingen. Kolja wollte besser sein und mehr können. Dazu suchte er sich berühmte Klavierspieler, denen er beim Spielen auf die Finger schauen konnte – auf Youtube!

„Ich hatte zwar mal kurz Keyboardunterricht, aber über die Jahre alles verlernt. Auf Youtube konnte ich Songs lernen ohne Noten lesen zu müssen“, erzählt Kolja, der kurz darauf sein erstes Musikstück komponierte und sich anschließend bei der Castingshow „Dein Song“ bewarb. Er wurde Zweiter, und sein Song „Mission Hollywood“ landete auf Platz 1 der deutschen Compilation-Charts. Das war genau vor einem Jahr.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Mit respect.de sprach Kolja Brand über Hans Zimmer*, Tränen im Kino und seiner Mission Hollywood.

Du bist Anfang des Jahres zum Internationalen Filmfestival nach Gent gefahren, um einen der größten Hollywood-Komponisten zu treffen: Hans Zimmer! Erzähl doch mal…
Als ich erfahren habe, dass Hans Zimmer zu den „World Soundtrack Awards“ kommen wird, bin ich nach Belgien, um ihm persönlich ein Demo von mir zu geben. Da saß ich also in der Hotellobby und habe gewartet. Dabei war ich so nervös, dass sogar die Bodyguards auf mich aufmerksam wurden. Ich musste ihnen meinen Ausweis zeigen – sie dachten wohl, ich bin ein Stalker!

Und dann?
Kam er tatsächlich. Und ich rief irgendwie aus Reflex: „I’m the german songwriter of the year!“ Da drehte er sich um und sagte: „Hey, Kolja, freut mich dich kennen zu lernen.“ Ich dachte, ich bin im falschen Film!
 
Er kannte Dich?
Ja, er hatte schon von mir gehört.

Hammer! Aber was ist eigentlich so toll daran, Soundtracks zu machen? Da stehst du nicht wie andere Musiker auf der Bühne und selten im Rampenlicht, sondern sitzt am Computer und überlegst dir Musik für Filme. Klingt nicht nach einem Star, sondern nach einem Nerd…
(Lacht) Ja, genau so ist es! Ich sitze am Computer, experimentiere mit Sounds und das kann dauern, manchmal Stunden oder auch Tage.

Was fasziniert dich an Filmmusik?
Ich wollte schon immer Musik machen und sehe leidenschaftlich gerne Filme. Und als Filmkomponist habe ich die Möglichkeit Produzent, Komponist und Filmemacher gleichzeitig zu sein und mich dazu noch in verschiedensten Musikgenres auszutoben.

Machst Du das an deinem alten Keyboard?
Nein, ich habe natürlich viel mehr Equipment. Mein Keyboard liegt eingewickelt in einem Betttuch auf meinem Kleiderschrank. Das behalte ich, um es irgendwann einmal bei Ebay zu versteigern, wenn ich in Hollywood bin (lacht).

Als Filmkomponist musst du mit deiner Musik Gefühle wecken und Stimmungen erzeugen. Welche Gefühlsregung aktivierst du denn am liebsten?
Da lege ich mich nicht gerne auf eine bestimmte Regung fest. Ich muss ja viele verschiedene Szenen mit meiner Musik unterstützen, das ist das Besondere und Schöne beim Komponieren, weil es so abwechslungsreich ist und ich verschiedene Filmgenres habe – da mache ich heute einen Horrorfilm und morgen eine Komödie.

Du hast mal gesagt, dass die Gefühle in der Musik hörbar werden können. Dann bist du ein sehr gefühlvoller Mensch, oder?
Ich kann mich zumindest gut in andere Personen hineinversetzen. Dadurch kann ich auch eine Verbindung zur Musik schaffen.

Kannst Du noch ganz entspannt Filme gucken oder hörst du die ganze Zeit auf die Komposition?
Doch, das geht noch. Bei manchen Filmen habe ich die Musik gehört, bevor ich den Film gesehen habe, das war zum Beispiel bei „The Dark Knight“ der Fall. Das ist schon etwas seltsam, wenn man die Musik kennt, in manchen Szenen zu sehr hinhört und vielleicht auch schon ahnt, was in der nächsten Szene passiert. Das nimmt einem die Spannung.

Denn Filmmusik wird eingesetzt, um Stimmungen und Gefühle wiederzugeben…
…Genau, und Filmmusik hilft dem Publikum eine Szene richtig zu beurteilen. Wenn keine Dialoge in einer Szene existieren, dann wird man die Szene immer anders interpretieren, wenn man sie mit unterschiedlicher Musik sieht.

Wenn man auf der Leinwand eine Person im Regen stehen sieht und es ertönt ein Krimi-Sound oder düstere Musik…
…dann denkt der Zuschauer: „Gleich kommt der Mörder um die Ecke!“ Wenn dagegen romantische Musik spielt, könnte diese Person auch verliebt sein und auf jemanden warten.

Gäbe es ohne Filmmusik kein Gruseln beim Horrorfilm, keine Gänsehaut beim Liebesfilm und kein Heulalarm beim Untergang der Titanic?
Doch, ich denke schon, dass es die Dinge auch ohne Filmmusik noch gäbe. Ich finde sogar, dass die meisten Filme heutzutage viel zu überladen sind mit Musik. Klingt vielleicht seltsam, wenn ich das als Komponist sage, aber manche Filme wären mit etwas weniger Musik besser. Eine komplett ruhige Szene kann doch auch sehr viel Spannung aufbauen.

Machst du im Kino die Augen zu?
Nein, ich möchte ja den Film sehen und gehe nicht wegen der Musik ins Kino (lacht). Der beste Ort, um Filmmusik zu hören, ist nun mal das Kino, zumindest wenn es ein gutes Soundsystem hat.

Welcher Film wäre ohne seine Musik nicht so bekannt geworden?
Hm, ich denke, es ist schon sehr schwer, sich Filme wie Indiana Jones oder „The Godfather“ („Der Pate“, Anm. d. Red.) ohne oder mit schlechter Musik vorzustellen… echt zum Heulen.

Bei welchem Film hast du denn ein paar Tränen vergossen?
“The Last Samurai” mit Tom Cruise. Das lag definitiv am Zusammenspiel von der Story und der Musik.

Gibt es Grundregeln oder Kniffe beim Komponieren? So etwas wie: Moll ist immer traurig?
Klar, gibt es die, damit befasse ich mich aber nicht. Ich finde es spannender Regeln zu brechen und Neues auszuprobieren.
 
Und das klappt ohne Noten?
Zum Glück brauche ich nicht alles selbst zu machen, dafür gibt’s andere wie den Orchestrator. Er schreibt beispielsweise für alle Instrumente die Noten auf. Das dauert bei mir echt lange. Ich denke mir lieber Melodien aus und erfinde Songs.

Das kannst du auch hier in Deutschland, warum willst du unbedingt nach Hollywood?
Die Filmindustrie dort bietet mir das, was ich möchte: nur das Beste von allem – die besten Schauspieler, das beste Budget, die beste Crew … Meine Musik ist für die richtig großen Filme bestimmt und nicht für einen kleinen Tatort am Sonntagabend, da fühle ich mich kreativ und visuell unterfordert.

(* Hans Zimmer ist einer der populärsten Filmkomponisten. Er hat die Soundtracks u.a. zu „Fluch der Karibik“, Gladiator“, „Inception“ und „König der Löwen“ komponiert und für letzteren Film einen Oscar bekommen. Hans Zimmer kommt aus Deutschland, lebt in Los Angeles und ist für Film-Fans das, was Lady Gaga für die Pop-Welt ist!)

Du willst mehr über Kolja wissen? Hier gehts zu seiner Homepage: koljabrand.com

Kategorien: Film und Medien, Musik

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Ingo Bartels (Gast) am 13.07.12, 13:37 Uhr

Tolles Interview mit Fragen, die man sonst nicht so oft liest wenn Kolja von Journalisten befragt wird. Kompliment.

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