Zur Hauptnavigation springen Zum Login springen Zum Seiteninhalt springen


Anna in Südafrika - Reisen ohne Ende

Gepostet von Sonja am 12.06.2012

Erst Urlaub mit Kulturschock, dann ein neues Leben: Anna, 30, bleibt einfach in Südafrika.

Erst sollte es ein Urlaub sein - jetzt bleibt Anna einfach in Südafrika

Anfangs war Anna paranoid, hatte ständig Angst ausgeraubt zu werden. Als sie im südafrikanischen Pietermaritzburg vom Hostel in die Innenstadt lief, war sie fast alleine unter dunkelhäutigen Afrikanern – ein Kulturschock für die Deutsche. „Es war heiß, laut, überall nur Schwarze“, sagt Anna. „Ich wollte einfach nur untertauchen, und habe mich schnell in ein Fastfood-Restaurant gesetzt.“ Für Anna ein Moment, in dem sie erkannte, dass sie längst nicht so entspannt war wie sie vorher dachte – und gegen ihre eigenen Vorurteile ankämpfen musste.

Erste große Reise: Südafrika
„In Deutschland habe ich immer das Schlimmste aus Südafrika gehört und mir vorgestellt – jetzt bin ich gelassener geworden“, sagt die 30-Jährige, die seit Dezember 2011 in Südafrika ist und sich entschlossen hat, länger zu bleiben.
Eigentlich sollte der Besuch in Südafrika nur ein Urlaub sein: Als Anna einer Freundin im vergangenen Jahr hierhin folgt, ist ihr Arbeitsvertrag in einer Bibliothek gerade abgelaufen, ihr Studium der englischen und slawischen Philologie und Geschichte hat sie abgeschlossen. Freund und Katzen bleiben in Kiel zurück.

Sechs Monate Freiheit, so der Plan – und die erste große Reise. „Vorher bin ich kaum aus Europa herausgekommen, war höchstens mal zwei Wochen in Tunesien“, sagt Anna.
Dann Südafrika: Von Kapstadt aus fährt sie mit ihrer Freundin die Küste entlang, die Freundin bleibt in Knysna, Anna reist alleine weiter: „Ich wollte mehr vom Land sehen.“ Stationen wie die Küstenstadt Port Elizabeth, Durban, oder das berüchtigte Johannesburg.

„Wenn ich das schaffe, schaffe ich alles“
Viel Neues, aber auch viel Bekanntes begegnen Anna auf der Reise – auch gute Infrastruktur, Supermärkte und gepflasterte Straßen gibt es hier durchaus. „Es ist schon so, dass man sich zuhause fühlt“, sagt Anna. „Südafrika ist reizvoll, weil es irgendwie auch europäisch ist.“ Trotz potentieller Gefahren.

Die bisher größte Herausforderung für sie: sich im überfüllten und gefährlichen Busbahnhof in Johannesburg eine Fahrkarte zu kaufen: „Wenn ich das schaffe, schaffe ich alles“, dachte sie danach. Manchmal findet Anna es schwierig eine Gegend oder Situation einzuschätzen – bis jetzt ist ihr aber noch nichts passiert. Sie weiß auch, dass es knapp ausgehen kann: Einem Freund von ihr wurde bei einem Überfall der Kiefer weggeschossen – als er sich wehren wollte, drückten die Räuber im Teenager-Alter aus Versehen ab.

Ein bisschen Regenbogen
Vorläufige Endstation: Port Elizabeth. In der angeblich „freundlichsten Stadt Südafrikas“ ist Anna einfach geblieben – auch wegen ihres neuen Freundes, einem Südafrikaner, der dort in einem Hostel arbeitet. „Meinem Freund in Deutschland habe ich geschrieben: Ich komme nicht mehr zurück.“ Deutschland – gerade unvorstellbar für sie.

Nun sucht Anna nach einem Job – und versucht Südafrika zu verstehen. „Ich schwimme noch ein bisschen, es gibt noch kein Gesamtbild“, sagt sie. „Ich habe noch so viele Fragen.“ Sie wundert sich darüber, wie deutlich sich die Südafrikaner nach Farben sortieren: weiß, farbig, schwarz. Jobangebote wenden sich etwa an „eine weiße Frau“ oder einen „farbigen Mann“ – was in Deutschland schon Rassismus wäre, findet Anna.

Die Folgen der Apartheid spürt sie immer noch. „In Free State gibt es Kneipen, in die kein Schwarzer hineingelassen wird.“ In jeder Gesellschaftsschicht, in jedem Alter seien offene, aber auch offen rassistische Menschen zu finden – auch in der jungen Generation. Die blonde Deutsche und ihr dunkelhäutiger Freund aus Südafrika sind selbst ein bisschen Regenbogennation. „Manchmal schauen Leute komisch, aber ich merke gar keinen Unterschied“, sagt Anna.

Immer gute Laune
Gewöhnungsbedürftig sei eher die „afrikanische Zeit“. „Es ist alles nicht so verlässlich, wenn man einen Termin macht“, sagt Anna. „Andererseits genieße ich das bisschen Anarchie, dass man nicht für alles ein Formular braucht.“ Anna findet, dass die Menschen in Port Elizabeth immer gut gelaunt sind. Vielleicht, meint sie, sei das Wetter der Grund dafür. Die Deutschen, das sind jetzt immer die Anderen: „Wenn Deutsche hier in Port Elizabeth aus dem Bus steigen, erkenne ich sie sofort“, sagt Anna. „Sie sind blass und schlecht gelaunt.“

Fotos: Julia Jaroschewski und Sonja Peteranderl

Bisher noch keine Kommentare

Kommentar schreiben Beitrag melden






* Pflichtfelder


Neueste Kommentare

« Zurück zur Übersicht

Quell-URL: http://212.66.17.154/projektblog/eintrag.php?eid=690