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Lesen wie Blinde – Das Louis-Braille-Festival

Gepostet von Klaas am 01.06.2012

Seit genau 100 Jahren kümmert sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) darum, den Lebensalltag von blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland zu verbessern.

Braille-Schrift auf einem Stück Papier

„Unsere Welt ist eine Welt des Sehens“, heißt es in der Selbstauskunft des Verbands. „Die gesamte Lebensumgebung ist auf diesen Sinn ausgerichtet. Über 80 % aller Wahrnehmungen nimmt der sehende Mensch heute über die Augen auf.“

Das dazugehörige Geburtstags-Jubiläum des Verbands wird, unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck, vom 1. bis 3. Juni 2012 im Berliner Tempodrom und auf dem angrenzenden Festivalgelände stattfinden, und mit zirka 3.500 Teilnehmern „das größte Fest für blinde und sehbehinderte Menschen sein, das es jemals in Europa gegeben hat.“

Eine besondere Rolle kommt dabei dem 1809 in Coupvray bei Paris geborenen Louis Braille zu, der als Erfinder der Blindenschrift (auch Brailleschrift genannt) noch immer maßgeblich für eine reibungslose Kommunikation zwischen Blinden und Sehenden verantwortlich ist. Dies ist auch der Grund, weswegen das DBSV-Festival offiziell „Louis Braille Festival der Begegnungen“ heißt, als Erinnerung an den genialen Erfinder, der im Jahr 1825 mit sechs aus dem Papier gestanzten Punkten eine tastbare Blindenschrift entwickelte, die nach wie vor weltweit Anwendung findet.

Als Louis Braille drei Jahre alt war, verletzte er sich beim Spielen in der Sattlerei des Vaters schwer an einem Auge. Die Entzündung griff bald auch auf das andere Auge des Jungen über und führte zur vollständigen Erblindung. Der sehr aufgeweckte und clevere Braille ließ sich davon jedoch keineswegs entmutigen und erhielt schließlich von einer adeligen Familie ein Stipendium am ersten Blindeninstitut der Welt in Paris, welches 1784 von Valentin Haüy gegründet wurde. Dort befasste er sich nebenbei auch mit der Entwicklung eines eigenen Schriftsystems für Blinde.

Grundlage hierfür war ein Schriftsystem, das der Artilleriehauptmann Charles Barbier ab 1815 erarbeitete. Das „Nachtschrift“ genannte System von Barbier bestand aus zwölf Punkten und sollte es den Soldaten ermöglichen, Nachrichten auch im Dunkeln zu übermitteln. Braille erkannte die Möglichkeiten des Systems für Blinde, vereinfachte und verbesserte es, bis er 1825 schließlich die „Brailleschrift“ präsentierte. Sechs aus dem Papier gestanzte Punkte ergeben 63 unterschiedliche Punktkombinationen, mit denen sich alle Schriftzeichen darstellen lassen.

„Die Zeichen waren leicht erlernbar, ließen sich rasch und sicher lesen und mit Schreibtafel und Griffel mühelos schreiben“, so der DBSV in seiner ausführlichen Braille-Anleitung auf der „Tour de Braille“. „Trotzdem blieb die offizielle Anerkennung seiner Schrift jahrzehntelang aus.“

Erst im Jahr 1850 wurde das Sechs-Punkte-Alphabet von der Pädagogischen Akademie in Frankreich offiziell anerkannt. Im deutschsprachigen Raum wurde die Brailleschrift erst knapp 30 Jahre später, nämlich 1879 eingeführt. „Den weltweiten Siegeszug seiner Schrift erlebte Braille nicht mehr. Er starb an einem Lungenleiden am 6. Januar 1852 in Paris. Seine Gebeine wurden am 21. Juni 1952 im Pariser Panthéon beigesetzt – eine besondere Anerkennung seiner Verdienste.“

Natürlich beschränkt sich das Louis-Braille-Festival in Berlin nicht nur auf die Ehrerbietung für den Namensgeber oder die Huldigung des 100-jährigen Bestehens des Verbands, sondern hat auch ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm zu bieten. TV-Moderatorin Nina Ruge und der blinde Kabarettist Dr. Dietrich Plückhahn führen durch das Programm, zahlreiche Gäste aus den Bereichen Musik, Sport und Comedy sorgen für abwechslungsreiche Unterhaltung. Mehr Informationen dazu finden sich hier.

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