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Campus der Weltverbesserer

Gepostet von Sonja am 03.03.2012

In der Wüste lernen: Im Öko-Kibbuz Lotan experimentieren junge Menschen aus aller Welt mit grünen Ideen.

Rafael lebt in einem Iglu, einem runden Häuschen aus Lehm und Stroh, ein Bett und ein Schrank passen hinein, auch ohne Klimaanlage ist es angenehm kühl, sogar Wifi gibt es hier. Draußen ist die Wüste: Knallig heiß, rau, wunderschön.

Unterwerfung der Wüste

Für die Israelis, die Anfang der Achtziger Jahre in die Arava-Wüste zogen, um dort ein Kibbuz zu gründen, war sie lange nur Land, das es zu unterwerfen galt.

Sie stellten schlecht isolierte Fertighäuser auf und kühlten die Häuser mit stromfressenden Ventilatoren ab, vergrößerten Landwirtschaft und Viehbetrieb mit viel Dünger, viel Wasser, viel Technik. Der Müll wurde irgendwo in der Wüste verbrannt.

Als die Bewohner irgendwann mit Recycling begannen, wussten sie nicht wohin mit dem sortierten Müll – und begannen damit zu bauen: Mauern und Tiere aus Lehm, Plastikflaschen und Autoreifen, später Häuser aus Lehm, der bei Bohrungen anfiel.

Vorzeige-Kibbuz

Heute versuchen die Kibbuzbewohner überall Ressourcen zu sparen und sie sinnvoller einzusetzen, sich der Wüste anzupassen: Das Kibbuz Lotan im Süden von Israel ist ein grünes Vorzeige-Kibbuz – und experimentiert mit nachhaltigen Ideen.

Etwa 200 Menschen leben hier, darunter der 25-jährige Rafael aus Österreich. Er ist Kibbuzbewohner auf Zeit: Rafael will lernen, wie das Leben in der Zukunft sozialer, umweltfreundlicher und sinnvoller gestaltet werden kann.

"Wenn wir mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten wollen, sollten wir versuchen sie zu verstehen und uns auf ihre Spielregeln einzulassen", sagt Rafael. "Leider lernen wir das nicht in der Schule oder in unserer Gesellschaft."

Umwelt-Uni: Lehmhäuser und Trockentoiletten

Neben Rafael erhalten auch junge Menschen aus Frankreich, den USA, Holland, Argentinien, aber auch Israelis bei einem mehrwöchigen Umweltworkshop einen Einblick in die Techniken und Ideen von Lotan - und bringen ihre eigenen Ideen ein.

Die Öko-Studenten beschäftigen sich nicht nur mit Toiletten ohne Wasserverbrauch, sondern auch mit alternativem Bauen, natürlicher Wasserreinigung durch Pflanzen und Steine, Solaröfen, nachhaltigen Kreisläufen.

Mit Solarofen kochen

Mit Lehmspritzern auf dem Shirt rührt Rafael mit den Händen eine Mischung aus Stroh und Lehm für den Hausbau an. Auch mit dem Solarofen, der nur durch Wüstensonne erhitzt wird, hat er schon gekocht - es dauert zwar etwas länger, doch das Ergebnis ist gut.

Während die meisten Kibbuzbewohner in den Fertighäusern wohnen, die inzwischen klimafreundlicher gestaltet worden sind, probieren die Studenten das Leben der Zukunft auf dem "Öko-Campus" aus. Dort stehen zwei Reihen der selbstgebauten igluartigen Häuser aus Lehm und Stroh, eine Gemeinschaftsküche, deren Abwasser direkt in den Garten hinter der Küche fließt, eine Trockentoilette - und die Solaröfen.

Grüne Ideen im Gepäck

"Es ist schön zu sehen, dass ein Leben mit geringem ökologischem Fußabdruck nicht nur keine besondere Hürde darstellt, sondern auch Freude macht", sagt Rafael. "Komposttoiletten sind zum Beispiel überhaupt nicht unhygienisch oder schmutzig und wenn sie richtig gebaut sind, stinken sie auch nicht."

Sein Wissen neu erworbenes Wissen will der Österreicher nach Wien mitnehmen und dort selbst experimentieren - zum Beispiel mit einem urbanen Garten auf dem Dach.

Text und Fotos: Sonja Peteranderl

Kategorien: Identität

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