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Ganz unten - Arbeiten am Bahnhof Zoo

Gepostet von Julia am 18.10.2011

Die 19-jährige Jana Grösche unterstützt seit zwei Jahren Menschen, um die viele einen großen Bogen machen.

Die 19-jährige Jana Grösche in der Kleiderkammer der Bahnhofsmission.

Als ein Gast nachts mit den Bierbänken alles kurz und klein schlug, war es selbst für Jana Grösche schwierig, ruhig zu bleiben. Sie arbeitet in einer Hilfseinrichtung - Ausraster und angespannte Situationen der Gäste untereinander ist sie gewohnt.

Gäste werden die Menschen genannt, die täglich in der Bahnhofsmission am Berliner Bahnhof Zoo Hilfe suchen. Es sind überwiegend Obdachlose, aber auch Personen, die ihren Alltag in schwierigen Lebenslagen nicht mehr organisiert bekommen. Viele mit Suchtproblemen, mit finanziellen Problemen oder psychischen Krankheiten. Oft kommt alles zusammen. Das Leben auf der Straße macht viele rau und aggressiv.

Überraschende Mission

Jana Grösche scheint mit ihrem Auftreten zunächst nicht recht in diese Umgebung zu passen. Die 19-jährige Abiturientin ist zierlich, hat blondgefärbte und akkurat geschnittene Haare und würde in ihrem lässigen Outfit ebenso in einer Bar anzutreffen sein. Nie käme ihr Gegenüber auf die Idee, dass sie sich in der Bahnhofsmission um Menschen in schwierigen Lebenslagen kümmert.

Mit 17 Jahren machte Jana hier ein Praktikum. Während der Zeit lernte sie am Oberstufenzentrum für Sozialarbeit in Berlin. Eher ein Zufall brachte sie zur Bahnhofsmission am legendären Bahnhof Zoo - bei der Internetrecherche stieß sie auf die Arbeit mit Obdachlosen. Und anstatt sich von den vielen Schicksalen abschrecken zu lassen, setzte sie noch einen drauf: sie blieb, erst für einen ehrenamtlichen, dann für einen Minijob.

Schlangestehen für ein Mittagessen

Etwa 500 Personen schauen jeden Tag in der Bahnhofsmission vorbei, erhalten etwas zu Essen und manchmal frische Kleidung. In den Aufenthaltsraum mit der Küche und Essensausgabe kommen die Menschen im Stundentakt, draußen stehen sie Schlange. Viele kennen sich, einige sind aggressiv, manche ganz schüchtern.

Es sind nicht nur Menschen, die auf der Straße wohnen, die die Hilfe der Bahnhofsmission suchen, sondern auch alte Menschen, "viele Wilmersdorfer Witwen", sagt Dieter Puhl, der Leiter der Bahnhofsmission. Ältere Menschen, die wegen geringer Renten und steigender Mieten verarmen und sich kaum noch das Essen leisten können.

Kampf um Respekt

Mittlerweile arbeitet Jana Grösche regelmäßig in der Bahnhofsmission. "Hart ist es schon, wenn man sich seine Anerkennung erstmal erkämpfen muss", sagt Jana. Sie erzählt und verschränkt die Arme: "Wenn man sich vor einen Menschen so groß wie ein Schrank stellt und sagt: stopp jetzt." Angst aber hat sie keine, man müsse sich eben daran gewöhnen und lernen, Menschen zu verstehen.

"Spaß macht es mir am meisten, wenn man einem Menschen wirklich helfen kann, wenn die Arbeit tatsächlich etwas gebracht hat", sagt Jana. Und sie möchte dabei bleiben. Die Arbeit liegt ihr. Darum hat sie sich für den Studiengang Sozialarbeit beworben.

Text und Fotos: Julia Jaroschewski

Bisher 2 Kommentare

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strassenseiten.blogspot.c (Gast) am 24.10.11, 20:35 Uhr

Die Bahnhofsmission Berlin-Zoo sehe ich als ganz besondere, einzigartige Einrichtung im Berliner Hilfesystem, weil sie zwei deutliche Besonderheiten aufweist. So ist sie nicht nur berlinweit fast die einzige rund um die Uhr geöffnete Anlaufstelle, sondern ist durch ihren zentralen Standort auch durchgehend gut erreichbar. Zweitens ist die Bahnhofsmission nicht nur niedrigschwellig, was bedeutet, dass jeder Mensch, der sich selbst als hilfsbedürftig empfindet dort, ohne Kontrolle oder Registrierung, Hilfe erhält, sondern sie leistet noch mehr. Denn die Bahnhofsmissionen helfen in allen nur erdenklichen Problemlagen, die den Menschen auf ihrer Reise durchs Leben widerfahren können.
Sehr begrüßenswert wäre es, wenn in unserer Hauptstadt noch eine weitere große, gut erreichbare und durchgehend geöffnete soziale Einrichtung, z.B. am Alexanderplatz aufgebaut würde.

MfG
Fr. Wieczorek
http://strassenseiten.blogspot.com


Renate (Gast) am 24.10.11, 09:18 Uhr

RESPECT für diese junge Frau!!!

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