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Ein Friedhof für Avatare

Gepostet von gast am 27.07.2010

southpark avatar von laura

Jeder hat sich mal gewünscht, jemand anders zu sein. Vielleicht will man einfach schöner aussehen: längere Haare, makellose Haut oder perfekte Körper haben. Oder vielleicht will man in einer total anderen Welt leben, die viel spannender als die Wirklichkeit ist. Vielleicht will man auch einfach kein Mensch sein, sondern ein fantastisches Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Mit einem Avatar ist das alles möglich. Im Internet kann ich Identität kreieren, die mir gefällt.

Avatare

Eigentlich stammt das Word „Avatar“ aus dem Sanskrit, wo es den Abstieg eines Gottes oder seine Fleischwerdung auf der Erde bedeutet. Im Internet ist ein Avatar der Stellvertreter einer Person. Es kann ein Bild, eine Grafik sein, eine Figur oder auch nur ein Name, den man im Netz benutzt - etwas, das einen echten Mensch im Internet darstellt. In Foren, Blogs und vor allem bei Onlinespielen werden Avatare benutzt. Mit einem Avatar hat man die Möglichkeit, eigene Eigenschaften grafisch darzustellen - oder eine ganz neue Person zu kreieren, die überhaupt nichts mit der realen Welt zu tun hat.

„Im wirklichen Leben gehe ich nicht gern Shoppen“, sagt Danielle, 21, als sie mir die riesiggroße Klamottensammlung ihres niedlichen Avatars zeigt. „Aber für meinen Avatar schon. Sie besitzt alle Schuhe, die ich mir nie in der Wirklichkeit leisten könnte!“

Friedhof für Avatare?

Juni 2010 ist der erste deutsche Internetfriedhof für Avatare entstanden. Herolymp.de ist eine Initiative von Studenten der Frankfurter Akademy of Visual Arts. Sie wollen damit computersüchtigen Jugendlichen helfen. Auf der Website kann man seinen virtuellen Stellvertreter „beerdigen“.

Warum ist denn dafür ein Friedhof nötig? Für manche Jugendliche und auch Erwachsene, führt das Online-Rollenspielen zur Abhängigkeit. Bei vielen Leuten fängt es ganz harmlos an, hin und wieder zocken, das nächste Level erreichen. Und dann setzt der Ehrgeiz ein: Man beginnt, stundenlang vor dem Computer zu hocken, ohne sich zu bewegen, weil man so ins Spiel vertieft ist. Die virtuelle Welt wird wichtiger als die wirkliche.

Typische Symptome der Internetabhängigkeit sind beispielweise die Vernachlässigung von sozialen Kontakten, die Vernachlässigung der Körperpflege, die Gewichtszunahme, und eine schlechte oder depressive Laune, wenn man mal nicht am Rechner sitzt. Computersüchtige unterscheiden sich von gesunden Menschen, die einfach das Onlinespielen mögen, dadurch,
dass ihr Leben von den Vorgängen in der virtuellen Welt beherrscht wird. Ein Selbsttest zur Diagnose von Computersucht steht auf herolymp.de, und viele ähnliche Listen und Tests sind im Internet zu finden.

„Der Mitbewohner von einem meiner Freunde ist total süchtig“, sagt Jen, 20. „Er wird nie eine Freundin kriegen. Wir haben mal versucht, für ihn ein Date mit dem Mädchen zu arrangieren, das er gern hat, aber er hat gesagt, er könnte es zu dieser Zeit nicht schaffen, weil er in World of Warcraft ein Raid führen müsste.“

Besonders World of Warcraft scheint einen hohen Suchtfaktor zu haben. „Wir nennen es World of War-crack“, sagt Reinald, 19. In World of Warcraft sind die Avatare komplexe, animierte 3D-Figuren, mit denen man zu fantasievollen Abenteuern aufbricht. (Siehe auch: Virtuelle Monsterjagd als Teufelskreis)

Für viele Spieler, die in diese Welt vertieft sind, ist es sehr schwierig, sich von ihrem Stellvertreter zu verabschieden. Deshalb bietet herolymp.de einen Ort, wo man seinen Avatar mit einem Memorial verewigen kann. Auf dem „Wall of Fame“ stehen Bilder mit den Namen der Avatare, die dort „beerdigt“ sind - mit kleinen Biografien oder Elegien dazu. Auf der Website kann man mit anderen Spielern in Verbindung treten und hilfreiche Informationen zur Internetsucht bekommen.

Positive Seite des Computerspielens

Bei aller Gefahr darf aber auch die positive Seite der Online-Rollenspielen-Kultur nicht aus dem Blick geraten. Für viele, die in ihrer Freizeit spielen, ist die virtuelle Welt ein einfaches und spaßiges Entkommen vom Alltags-Stress.

„Wenn ich einen langen Tag gehabt habe, ist es manchmal schön, durch Rock Band den Stress abzubauen“, sagt Jennifer, 20, die im Pyjama vor dem Fernseher sitzt und mit Trommelstöcken auf ein Plastik-Schlagzeug drischt, während auf dem Bildschirm ihr in Leder gekleideter Avatar auf einer Bühne vor Millionen schwärmenden Fans rockt. Jennifer ist eine erstklassige Studentin, Angestellte mehrerer Clubs. Wie andere Studierende auch, braucht sie manchmal Entspannung: „Natürlich wenn ich mit der Hausarbeit schon fertig bin.“

Viele spielen auch mit ihren Freunden aus der wirklichen Welt zusammen. Sie bilden Gruppen, die sich online „treffen“ und gemeinsame Spielziele ins Auge fassen. Auf diese Weise ist das Spiel nicht nur ein gemeinsames Interesse, das Freunde zusammenbringt, sondern auch eine Art „Team-Building“. Spielen am Computer kann also auch soziale Kompetenzen stärken.

Den Avatar zu Grabe tragen

Wenn aus dem entspannenden Hobby aber eine Süchtigkeit wird, ist es schon Zeit, das Avatar beizusetzen.

Wer seinen Avatar mit allen Ehren verewigen will, kann sich bei herolymp.de registrieren, und dann die Daten seines Avatars hochladen. Zum Beispiel kann man mitteilen, mit welchem Spiel der eigene Avatar verbunden ist, wie lange er gespielt und welchen Level er erreicht hat. Es gibt auch eine Deutschlandkarte, die zeigt, wo der Spieler wohnt. Damit entsteht die Möglichkeit, dass Spieler miteinander in Verbindung treten können, um Rat auzutauschen, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen – auch außerhalb der virtuellen Welt.

Tests zur Computersucht:
Test Internetsucht »
Test Computersucht »

Friedhof der Avatare:
herolymp.de »

Lauras Southpark-Avatar wurde auf der Site SP-Studio erstellt.

Laura Campbell für respect.de

Bisher 2 Kommentare

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Moderationsteam am 29.07.10, 15:38 Uhr

Hey Johannes,

dank dir für die kurze Rückmeldung. Das liegt weniger an Laura, die als amerikanische Praktikantin respect.de gerade unterstützt, als an uns, der Redaktion. Unser Fehler! Wir haben's wie gewünscht nachgeholt und ausbessert. Mea culpa!

Die Redaktion


johannes (Gast) am 28.07.10, 09:06 Uhr

Moin.

Darf ich annehmen, dass die Verfasserin weder über eine automatische Rechtschreibprüfung verfügt, noch den Text durchgelesen hat nachdem sie ihn geschrieben und bevor sie ihn veröffentlicht hat? Das könnte man vielleicht demnächst mal nachholen. :-p
Aber inhaltlich ist's ganz nett geworden. ;-)

Viele Grüße

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