Fotos: Igor Schindler
Jugger – Kampf mit dem Riesen-Q-Tip
Gepostet von Caspar am 29.01.2010

Von Montag bis Freitag arbeitet Walter Benda als Finanzmakler. Wer am Wochenende in Köln-Mülheim spazieren geht, kann ihn bei seinem ungewöhnlichen Hobby beobachten. Mit langen Stangen und Ketten kämpfen Gestalten im Stadtpark auf dem schneebedeckten Rasen. Eine dieser Gestalten ist Walter. Um seinen Kopf schwingt sein Gegenüber Christoph eine Kette an deren Ende eine Kugel befestigt ist – einem Morgenstern im Mittelalter ähnelnd. Walter steht geduckt in Abwehrhaltung. In den Händen hält er seine Lieblinswaffe: den Q-Tip. Die Waffe ist seinem Namensvetter, dem Badezimmerutensil zum Ohren putzen, nachempfunden. Die Kugel von Christoph saust durch die Szenerie und trifft Walter an der Schulter. Die beiden verschnaufen. „Wir sind einfach ein paar Idioten, die kommen und sich kloppen“, sagt Christoph und lacht.
Die Spielregeln
Dennoch stecken mehr Strategie und weniger Brutalität hinter der Sportart, die sich „Jugger“ nennt. Zwei Mannschaften kämpfen um einen Hundeschädel aus Plastik, der auf gegnerischer Seite auf einem Stab gesetzt wird. Einer der Spieler ist der sogenannte Läufer und darf als einziger den Schädel tragen. Die anderen Spieler versuchen den Läufer auf seinem Weg zu beschützen. Mit Stangen verteidigen sie ihren Mitspieler vor gegnerischen Angriffen. „Pompfen“ heißen die Stangen und sind mit Schaumstoff umkleidet. Wer bei einem Kampf getroffen wird, muss sieben Sekunden am Boden verharren. Der Kopf und die Hände werden nicht als Treffer gewertet.
An den Waffen hat sich in der Mülheimer Gruppe noch nie ein Spieler ernsthaft verletzt, außer harmlosen Blessuren wie einem Veilchen und einem herausgerissenen Ohrring. „Der Sport ist ungefährlicher als Fußball, weil man nicht Grätschen darf“, sagt Vlad, ein Medizin-Student.
Die Herkunft – vom Film zur Trendsportart
Der australische Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ mit Rutger Hauer (Blade Runner) ist Vorbild für diese Sportart. „Die Jugger-Spieler ziehen im Film wie Gladiatoren durchs Land, auf der Suche nach Sex, Ruhm und anderen Sachen“, sagt Walter. Die Jugger Teams spielen dort zur Belustigung der reichen Oberschicht und verlassen das Spielfeld oft mit Knochenbrüchen und offenen Wunden.
Der Film inspirierte Walter sich einmal als Jugger zu versuchen. Doch auch vor seiner Jugger-Zeit hat man ihn nicht auf dem Tennis-Platz getroffen: Historisches Fechten und Liverollenspiele, in denen sich die Spieler als Fantasy-Charaktere verkleiden, waren seine Hobbies. Aus dem Verein mit historischem Fechten hat er weitere Jugger-Spieler für seine Gruppe angeworben: Christoph und Vlad zum Beispiel, die bereits mit altertümlichen Waffen gekämpft haben, bevor sie Jugger entdeckten.
Juggern in der Schule
Im Deutschland haben 52 Teams in der Saison 2009 acht Turniere in der offiziellen Liga gespielt. Sogar eine reine Frauenmannschaft ist schon einmal angetreten. Die Meisterschale erinnert an die Trophäe im Fußball, wäre da nicht der grinsende Hundeschädel in der Mitte.
Der Autor Ruben Philipp Wickenhäuser sieht in der ungewöhnlichen Sportart für Jugendliche sogar die Chance, sich geordnet abzureagieren. In seinem Buch „Juggern statt Prügeln: Der Trendsport für Aggressionsabbau und soziales Lernen“ beschreibt er neben Taktik, Spielregeln und Bauanleitungen für die Waffen, auch wie soziale Kompetenzen erlernt werden könnten. Zudem schlägt er Jugger als offizielles Sportangebot in Schul-AG’s vor.
Das Team aus Köln-Mülheim hat bis jetzt erst an wenigen Turnieren teilgenommen. Die meisten Spieler sind Schüler und Studenten, auch vier Frauen trainieren regelmäßig mit. Die Passanten im Stadtpark reagieren unterschiedlich. „Die meisten kommen und lassen sich das Spiel erklären“, sagt Christoph, „Andere, beispielsweise Kinder, wollen mitspielen.“ Auch die Polizei schaue öfter interessiert zu. Der Student sagt schmunzelnd: „Die haben uns erzählt, dass sie selber gerne eine Mannschaft gründen wollen.“
Links:
www.jugger.de » (Ligabetrieb/Bauanleitungen etc.)
www.jugger.org » (Städte-Foren)
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Moin.
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zu: Ein Friedhof für Avatare
Das entsprechende Video gibt es hier: www.youtube.com/schooljamfesti ↵
val
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Jakob (Gast)
am 14.07.10, 21:36 Uhr
zu: Musik wie gemalt - im Studio mit Jazzica Nabis





Mark (Gast) am 01.02.10, 10:46 Uhr
Hallo Festa Hiep,
danke für den Hinweis! Wir werden schauen, wie einfach sich das umsetzen lässt und dann dran basteln. Noch andere Tipps oder gewünschte Features?
Schönen Gruß
das respect-Team
Festa Hiep (Gast) am 01.02.10, 01:08 Uhr
waer nicht schlecht, wenn man diese seite auch drucken koennte, ohne die ueberfluessigen balken links und rechts hier.
Ansonsten – lustiger kreativer neuer sport, gefaellt mir, werde mich erkundigen und vielleicht mitmachen :)