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Quer durch Lateinamerika: Rio de Janeiro – Brasiliens eigentliche Hauptstadt

Gepostet von Julia am 10.11.2009

Sonja und Julia sind sich einig welches die eigentliche Hauptstadt Brasiliens ist: Rio de Janeiro. Im vierten Teil der Serie haben sie die Großstadt besucht.

"Wie komme ich ins Ausland?", fragten Julia und Sonja auf respect.de und informierten sich über Möglichkeiten, im Ausland Schul-, Studien- und Berufserfahrung zu erwerben. Das war die Theorie. Ganz praktisch reisen die beiden vier Monate nach ihrem Studienabschluss durch Lateinamerika und schreiben über Deutsche im Ausland und soziale Projekte.

Zwischen Pampas und Regenwald, Zuckerhut und Straßenkindern: Von ihrem Streifzug durch den vielfältigen Kontinent und ihren Erlebnissen in Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Santiago de Chile berichten sie jede Woche im respect-Blog. Der vierte Teil der Serie handelt von einer Stadt, die eigentlich alles hat, was das Leben erfreulich macht - Sommer, Sonne, Strand. Die Stadt heißt Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro – wer kennt sie nicht, die wunderbare Stadt am Atlantischen Ozean – cidade maravilhosa. Gefühlt war jeder schon einmal dort und weiß genau, was die Brasilianer im Leben machen: Karneval feiern, Körperkult zelebrieren und Samba tanzen, am Strand in der Sonne, mit einer Caipirinha in der Hand. Oder sind das alles nur Vorurteile? Ja. Naja. Nein.

Rio de Janeiro ist eine Stadt mit Meer, Strand und Bergen in einer subtropischen Klimazone mit einem pulsierendem Stadtleben. Und weil die Mischung genau diese ist, haben die Cariocas, die Bewohner Rios, einen ganz eigenen Stil. Wer am Strand lebt, nutzt ihn auch. Nicht nur zum Baden. Tägliches Fitnessprogramm ist hoch angesehen und führt dazu, dass dabei gern zugesehen wird. Anders gesagt: Sehen und gesehen werden ist das Ziel von 80 Prozent der ganztäglich flanierenden oder joggenden Strandgänger in Leblon, Ipanema oder Copacabana. Körper ist Kult in jeder Hinsicht. Die Mädels in knappen Bikini-Höschen, die mehr Schnürchen als tatsächlicher Stoff sind, gehören ebenso ins Stadtbild wie die muskulösen Herren in knappen Badehosen, die Surfer in den Wellen und die Capoeiristas am Strand. Und weil das Thermometer auch im Winter die 30-Grad-Marke erreichen kann, zeigen die Cariocas gern viel Haut, bewegen sich überwiegend im Freien und trinken Exotisches wie agua de coco (Wasser der Kokosnuss), Açaí, ein vitaminhaltiges Saftgemisch einer Amazonasfrucht oder eben Caipirinha.

Die berühmte Caipirinha trinken Cariocas auch; sie wird aber eher von Touristen als brasilianisches Nationalgetränk gesehen und gilt besonders in den Strandvierteln als Attraktion. Touristen sind überall, wo man Touristen erwartet: Auf dem Zuckerhut, auf dem Corcovado-Hügel vor, neben und hinter und wenn es ginge, wären sie sicher auch auf der Christusstatue. Der Ausblick aus 710 Meter Höhe ist allerdings wirklich phänomenal. Touristen sitzen im „Bondinho“, einer kleinen Straßenbahn, die in das an einem Berghang gelegene Viertel Santa Teresa fährt. Dort wundern sie sich, wenn sie eine unangenehme Erfahrung machen und von einem sonst als freundlich-fröhlich erfahrenen Brasilianer überfallen werden. Denn die Orte, an denen sich der weniger wohlhabende Carioca herumtreibt, kennen Touristen nicht. Selten verirrt sich jemand in das quirlige, überlaufende Zentrum mit den historischen, oft zerfallen Häusern, in denen hunderte Läden alle notwendigen und sinnlosen Kleinigkeiten anbieten. Wenige sitzen in den Bussen, deren Fahrer Wettfahrten durchführen, wenn die verstopften Straßen mal eine freie Bahn ermöglichen. Und kaum jemand wagt sich zur Central do Brasil, dem Hauptbahnhof, der durch den gleichnamigen Film Weltberühmtheit erlangte. Das hat seinen Grund. Es ist eben nicht immer ungefährlich in Rio.

Text: Julia Jaroschewski
Bilder (alle Rechte vorbehalten)
Julia Jaroschewski: Strand
Sonja Peteranderl: Christo

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