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Quer durch Lateinamerika: Iguazú – Wasserballett in der Teufelsschlucht

Gepostet von Sonja am 27.10.2009

Wie man einen Auslandsaufenthalt organisiert, haben wir euch auf respect.de erklärt, wie das ganz praktisch aussehen kann, zeigen Julia und Sonja in unserer Serie "Quer durch Lateinamerika". Teil II.

"Wie komme ich ins Ausland?", fragten Julia und Sonja auf respect.de und informierten sich über Möglichkeiten, im Ausland Schul-, Studien- und Berufserfahrung zu erwerben. Das war die Theorie. Ganz praktisch reisen die beiden vier Monate nach ihrem Studienabschluss durch Lateinamerika und schreiben über Deutsche im Ausland und soziale Projekte.

Zwischen Pampas und Regenwald, Zuckerhut und Straßenkindern: Von ihrem Streifzug durch den vielfältigen Kontinent und ihren Erlebnissen in Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Santiago de Chile berichten sie jede Woche im respect-Blog. Der zweite Teil der Reise-Impression handelt von den Iguazú-Wasserfällen, die schon alleine durch ihre Wassermassen beeindrucken.

Nach meist begeisterten Berichten von Bekannten nähern wir uns den Cataratas, den Wasserfällen von Iguazú, mit leichter Skepsis – um nicht enttäuscht zu werden. Die Iguazú-Wasserfälle liegen im Länderdreieck von Argentinien, Brasilien und Paraguay im teils argentinischen, teils brasilianischen Nationalpark Iguazú und zählen zu den schönsten, größten und breitesten Wasserfällen der Welt. Zwanzig größere und über 250 kleinere Fälle stürzen auf einer Strecke von etwa 2,7 Kilometern zwischen Regenwald und Felsen hinab. Zunächst keine Spur vom lauten Brausen des „Großen Wassers“, wie die indigenen Guaraní die Fälle getauft haben: Ein schmaler, von Vogelgezwitscher begleiteter Weg führt durch den Regenwald zur kleinen Zugstation in der Mitte des Nationalparks. Hier besteht die Geräuschkulisse vor allem aus touristischen Gesprächsfetzen und entzückten Ausrufen bei der Entdeckung der ersten gesichteten Wildtiere: Horden von Quatis, Nasenbären mit langen dunklen Rüsseln und gestreiftem buschigem Schwanz, die auch alle auf Nahrungssuche sind, sammeln sich in der Nähe des Cafés an der Zugstation. Den besonders dreisten Nasenbär, der auf einen Tisch springt und einer geschockten Touristin das Sandwich aus der Hand frisst, findet die Betroffene plötzlich gar nicht mehr süß. Als ein anderer Sandwich-Räuber mit der Beute im Gebüsch verschwindet, rast die ganze Horde quiekend hinterher. Die Kampflaute aus dem Gestrüpp erklären die Wunden im Fell der Kleinbären.

Tiefenrausch in der Teufelsschlucht

Nach einer Fahrt mit der Mini-Eisenbahn führen Holzstege, die über langsam dahinfließendes Gewässer führen, zur Hauptattraktion der Wasserfälle: Die „Garganta del Diablo“, der „Teufelsschlund“, reißt eine U-förmige Schlucht in die Wasseroberfläche, so dass unglaubliche Wassermassen unter den eigenen Füßen hindurchfließen und mit lautem Getöse direkt vor einem 70 bis 80 Meter nach unten stürzen. Versucht man, der Bewegung des Wassers zu folgen, wird einem schnell schwindlig. Neben dem Sog der Tiefe ist auch der Panoramablick überwältigend, den die 150 Meter breite und 700 Meter lange Teufelsschlucht eröffnet. Ein Schauspiel stellt auch die Reaktion der Besucher auf die Wassermassen dar: Jedes Mal, wenn die weiße Gischt der herabstürzenden Fälle wie ein Regenschauer über die Aussichtsplattform peitscht, richten alle ihre Regenschirme aus und weichen meterweit zurück. Das Wasserballett wird von den Rufen der Fotografen begleitet, die in gelben Regenanzügen auf kleinen Leitern ihre Dienste anpreisen. Wir sind begeistert – auch wenn sich das Garganta-Gefühl nach einem mehrstündigen Spaziergang durch den Nationalpark und vielen weiteren Wasserfällen durch den Gewöhnungseffekt ein wenig relativiert.
Auch der Blick von unten ist eine erfrischende Erfahrung – eine Plattform ist direkt unter einem Wasserfall lokalisiert, so dass die Wassermassen fast auf einen herabfallen und wir – ohne Regenmäntel – völlig durchnässt werden. Die Insel San Martin unterhalb der Wasserfälle, zu der normalerweise ein kostenloses Boot fährt, war leider wegen Überschwemmung geschlossen. Die Speedboat-Touren, die am Eingang gebucht werden können, wurden dennoch durchgeführt: Kreischende Touristen flitzen in einem Motorboot über den Fluss und in die Wasserfälle hinein. Die Gretchenfrage der Wasserfälle – ob die brasilianische oder die argentinische Aussicht beeindruckender sei – können wir nicht beantworten, da wir nur die argentinische, durchaus beeindruckende Perspektive kennen. Wer Zeit hat, sollte beide Seiten besichtigen – während der argentinische Blick mehr Details verspricht, soll der Panoramablick von Brasilien aus angeblich schöner sein.

Text und Bilder (alle Rechte vorbehalten):
Sonja Peteranderl

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